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Forum - Texte - Hannelore (Kurzgeschichte)

Maximilian Humpert

Hannelore (Kurzgeschichte)

Viel Spaß beim Lesen meines ersten Beitrags, Feedback wäre super!


Hannelore

Mit entschlossener Miene drückt er den Revolver an Hannelores Schläfe.
Ihre Hände zittern. Ihre Arme hängen steif nach unten. Sie hat Angst
eine falsche Bewegung zu machen, ihn zu verschrecken. Der Schock lähmt
ihre Glieder, ihre Stimme versagt und nur ein leichtes Wimmern flüchtet
durch ihre trockenen Lippen.
Er selbst hätte nicht gedacht, dass er so zielgerichtet handeln könnte,
aber im Endeffekt war die Demütigung zu groß und der Hass auf Hannelore
wuchs mit jedem Tag ihrer leidlichen Beziehung.
Mit bebender Stimme fragt sie ihn, ob er von allen guten Geistern verlassen
sei. Er findet schon die Wahl ihrer Wörter anmaßend. Sie weiß nicht wovon
sie spricht, denkt auch gar nicht darüber nach, sie ist schlicht und
einfach dumm in seinen hellblauen Augen. Zwar hat sie ihre Vorzüge, er
hat auch so etwas Liebe zu ihr entwickelt, aber es gibt ein Problem.
Etwas passt nicht in sein Puzzle.
"Ich finde deinen Namen scheiße.", sagt er ihr und bei dem Wort "scheiße"
drückt er den Lauf der Waffe auf ihre Schläfe. "Mit 25 Jahren Hannelore
heißen...lächerlich!", stellt er fest. Ihr ganzer Körper versteift
zunehmend und Tränen fließen ihr über die Wange. "Was?", wimmert sie.
"Ich finde deinen Namen scheiße!", brüllt er sie an. Er zwingt sie in
die Knie und hält ihr den Lauf nun an den Hinterkopf, so muss er ihr
nicht ins Gesicht sehen. Es ist keine leichte Situation für ihn, aber
es muss geschehen. Er hat bereits seine Arbeitskollegen angelogen.
"Wie heißt denn deine Lebensgefährtin?", fragten sie. Er nannte einen
Namen. Einen gewöhnlichen, aber falschen Namen. Die Scham machte ihn
wütend. In diesen Zeiten kann er sich nicht durchsetzen, wenn er auf
Betriebsfesten einen lächerlichen Anhang mitbringen würde. Sie würden
lachen. Sie würden ihn auslachen. Es würde sich herumsprechen. Im Büro
würde hinter seinen Trennwenden getuschelt werden, das kann er nicht
zulassen. Man hatte ihm eingeflößt, dass nur die Stärksten überleben.
Die Krise kommt schließlich. Survival of the Fittest. Nur die harten
kommen in den Garten. Die Krise kommt. Sie ist schon da und es wird
noch viel schlimmer. Die hässliche Fratze des Kapitalismus wird sich
zeigen. Er muss den lästigen Keim ersticken. Er will gerade abdrücken,
da kommt ihm ein ganz neuer Gedanke: Was würden die Nachbarn denken?
Er kann nicht einfach abdrücken. Man würde den Lärm hören, darüber reden,
sein Ruf wäre zerstört.
Eine lange Zeit denkt er nach. Hannelore wimmert, wimmert immerzu.
Schließlich hat er eine Idee. Seine Mundwinkel springen nach oben, völlig
aufgebracht kniet er sich vor Hannelore und rüttelt sie aus ihrer
Schockstarre. "Ich habe eine Idee.", ruft er freudig, "Dein Name ist
vielleicht im Moment eine Demütigung, aber in der Zukunft vielleicht
nicht." Er grinst sie mit freudiger Erwartung an. Auf Hannelores Gesicht
zeichnet sich ein Lächeln ab. Zwischen den zerzausten Haaren kann man die
Hoffnung in ihren erröteten Augen sehen.
"Es gibt eine Möglichkeit!", rüttelt er sie. Er macht eine kleine Sprechpause,
dann platzt es aus ihm heraus: "Los! Wir frieren dich ein!" Hannelores Lächeln
verschwindet. Als er sie am Arm packt und über den Boden durch die Räume zieht,
fängt sie an zu schreien. Das kann er nicht dulden. Er öffnet die 1-Meter hohe
Tiefkühltruhe, reißt die Fächer heraus und zwingt Hannelore hinein. Mit einer
Eisenkette verhindert er, dass sie die Truhentür öffnen kann. Nach einer Weile
verstummen die dumpfen Schreie und eine unwirkliche Stille breitet sich aus.
Er genießt seine Idee, seine Lösung. Bis ihr Name modern wird, wird er warten,
dann können sie weitermachen, wie vorher und alle werden sie akzeptieren und
beneiden. Er wird aufsteigen, sich durchsetzen. Das perfekte Paar.
Bis dahin wartet Hans Heinrich.