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Natürlich ist jeder Freitod eine Kritik an Gott und Schlag gegen die Allgemeinheit, bis dahin bin ich mit Dir d`accord. Ob man ihn deshalb auch in sehr grobschlächtigen, allgemeinen Endzeitbildern und ruinierten Schlagworten darstellen muss... mhm, das soll jeder für sich entscheiden... Mir ist das etwas zu viel Zeitung und zu wenig Poesie… Aber wie üblich gilt: Geschmack und sinnvoll streiten, passen nicht wirklich zueinander… Was mir gefällt, ist die Frage: Welchen Gott verlassen?
Freitod als Thema: Von Gott verlassen auf den Weg zu Gott machen… das klingt für mich nach einem spannenden lyrischen Thema, dass unter den verbrauchten Bildern steckt… Und dazu würde ich gern mehr von Dir lesen. Gutes Gelingen weiterhin…
Danke Sabrina.
Jetzt hab' ich aber doch gemerkt, daß ich nicht mehr ganz aktuell bin in Verwendung von Bezeichnungen."Aufreißerisch" interpretier' ich jetzt mal als "aufrüttelnd".....Richtig ?
Beste Grüße
Hieroniemuß !!....du magst ja Ausrufezeichen recht gern.
Gute Frage Hieroniemuss! Da das "lyrische Ich" sich von der Umwelt im Denken und Handeln deutlich abgrenzt, beobachtet es den Kult, den die Menschen für sich selbst schaffen, aus der Distanz: " Was haben Menschen bloß erschaffen?"..Wie ich bereits mal erwähnt hab ist es die Gabe des lyrischen Ichs zu "sehen",was mit "prophezeihen" in diesem Kontext gleichzusetzen ist. Natürlich taucht hier ein religiöser Aspekt auf: "Welchen Gott verlassen, Was haben menschen bloß erschaffen?", der aber vom lyrischen Ich kritisiert wird. Insofern habe ich versucht einen atheistischen Unterton zu schaffen. Ist auch eins meiner ersten Gedichte, kann sein, dass der Text wirklich sperrig ist zu dem, was ich eigentlich ausdrücken wollte. Durch unsere Diskussion hab ich gemerkt, dass dieses eigentliche Thema "Suizid" doch auch ganz spannend sein kann, zwar schwierig, aber aufreißerisch und interessant.
Lg, Sabrina
Ich sehe das auch so:Gute Diskussion um ein gutes Thema und ich habe mich dabei erwischt, die "Sekundärliteratur" wichtiger zu nehmen als die Literatur. Habe gerade "Freitod!" nochmal gelesen. Der Titel ist natürlich übermächtig und beeinflußt uns wie eine Schlagzeile in der Zeitung.....und schon diskutiert man über Freitod.
Ich hätte da mal noch 'ne Frage: Wenn man beide Worte gebraucht(und das tust Du, Sabrina), kann man dann tatsächlich atheistisch sein oder begibst Du dich nur in eine atheistische Erzähl-Perspektive? Mit den beiden Worten meine ich:"Gott" und "Götzenbild" Ich denke, ein Götzenbild kann es nur geben, wenn man annimmt, es gäbe auch Gott.
Gruß
Hieroniemuß
Ein Tabu-Thema, ein be-wegender Text, 11 Kommentare - gut, daß es im Forum wieder so etwas wie
Diskussionskultur gibt. Hieronimuss: ich habe bisher leider keine Mails erhalten, schau mal in
Dein Profil, ich habe Dir eine Nachricht mit aktueller Mail-Adresse geschickt. Sabrina: Gut, daß Du
darauf verweist, daß eine entfremdete Natur, eine Götzen-Natur, ein wichtiger Grund sein kann, einen
selbstgewählten Ausweg zu suchen, in eine ersehnte, ganzheitliche, geistige Natur.
Nur: ohne Deinen Kommentar wäre ich jetzt nicht so schnell draufgekommen, der Fokus ist doch sehr
stark auf das Thema "Freitod" gerichtet, das andere "...Birken apathisch am Industriehimmel" sehe ich
mehr als düstere Kulisse, eines resignierten Ich-Erzählers. Aber, wie schrieb "AltundGrau":"Warte auf
den Frühling, selbst Birken können dann wieder schön sein".
Lieber Hieroniemuss!
Zunächst muss ich sagen, dass ich deine Aussagen auch gar nicht als Kritik gegen mich als Autorin gesehen habe. Das, was wir zur Diskussion gemacht haben, geht ja eig. über den Text hinaus. Ich bin sogar sehr erfreut darüber, dass diese Seite hier sich, für mich, ein absoluter Neuling, was die PoetrySlam anbelangt, als Portal erweist, mit dessen Hilfe wir hier frei und auf vernünftiger, freundlicher Basis diskutieren können.
Was nun deine weitere Erläuterung betrifft, so bin ich im Nachhinein gänzlich mit dem einverstanden, was du sagst. Wahrscheinlich haben mich einfach diese leicht sarkastischen Äußerungen: ".und erst dann
READY-STEADY-GO !!" von deiner eigentlichen Aussage abgelenkt und in meinem Kopf klang eine Stimme, die das Thema weniger ernst nimmt. Aus deiner eigenen Erfahrung heraus, muss ich natürlich die angezweifelte Aufrichtigkeit deines Beitrages zurücknehmen. Natürlich bin ich auch der Meinung, dass Selbstmörder nicht das Recht haben in ihrem Leid, andere mit in den Tod zu ziehen. Hier müssen wir aber zwischen solchen differenzieren, die sich bewusst an ihrer Umwelt rächen wollen und solchen, die rein aus Affekt handeln und sich nicht darüber im Klarem sind, was sie damit ihrer Umwelt antun.
"Und bitte: Laßt uns doch nicht reflexartig und automatisch Respekt äußern, weil es jemand in den Freitod schafft. Laßt uns Respekt und Toleranz äußern, weil sie/er ein Mensch ist.....ob für oder gegen den Tod sich entscheidend" - Dem kann ich mich nur voll und ganz anschließen in dem Wissen nicht behauptet zu haben, dass ein Mensch der Suizid begeht mehr Achtung verdient hätte ( Nochmals muss ich aber darauf hinweisen, dass in meinem Gedicht etwas anderes gemeint war...siehe letzter Beitrag).
Lg
Hallo Sabrina, hallo Manfred.
Hm....."Und du glaubst tatsächlich, dass die Anderen keine Mitschuld tragen an dem, was sich ein Suizid-Gefährdeter vermeintlich antut?"
Nein, das glaub'ich nicht. Wenn ich das täte, hätte ich das geschrieben, Sabrina. Ich sagte, daß es schade ist, daß Freitodwählende andere mitreinziehen ....z.B.den Zugführer, den entgegenkommenden Autofahrer.Und ich füge jetzt hinzu, daß das von Selbstmördern in keinster Weise in Ordnung ist......sie sollen bitteschön eine Art der Selbst-Tötung wählen, bei der sie nicht die unfreiwillige Beteiligung dritter brauchen. Daß das nicht immer geht--Manfred--ist mir bewußt. Daß dies oft ginge ist zwar nicht bewiesen, aber doch fast offensichtlich, wenn man verfolgt, wie penibel und oft langfristig Selbstmorde geplant wurden.Jedenfalls finde ich es gut, daß meine Schwägerin das Seil und nicht den Zug gewählt hat.
Frei, den Tod zu wählen--JA !, aber nicht frei, sich von anderen töten zu lassen. Andere, die dann mit dieser Katastrophe leben "müssen". Der Zugführer, der entgegenkommende Autofahrer usw....unfreiwillige Mit-Töter. "keine Mitschuld" gebrauche ich in Bezug auf Gott: er/sie/es kann nicht alles....das ist alles.
Und Manfred: Ich bringe natürlich der Autorin Toleranz entgegen,sogar tiefen Respekt... ich habe mich für ihren Text bedankt und erst garnicht nachgesehn, wie jung oder alt sie ist.....weil das nichts zur Sache tut. Ich habe argumentiert gegen "rücksichtslose" Suicid-ler, nicht gegen die Autorin Sabrina. Klar ist, daß auch sicher diese Suicidler von vielem zu wenig bekamen. Unter anderem vielleicht zu wenig Rücksicht.
Wenn Beiträge nicht allegorisch, bildhaft oder fabel-haft sind wie mein Kommentar....empfehle ich immer: Versucht---bevor ihr zwischen den Zeilen sucht---direkt in den Zeilen Wort für Wort zu lesen und keines hinzuzufügen, damit ihr--wenn ihr euch zuhört während ihr lest---nicht mehr findet als vom Schreiber gestreut wurde.
"Das wäre als ob ich, sähe ich einen Obdachlosen auf der Straße, mich darüber aufregen würde, warum dieser Mensch ausgerechnet vor mir seine Armut darlegt....diese Aussage deinerseits gibt mir tatsächlich viel zu denken..." Liebe Sabrina, das ist deine Formulierung, die Du mir in den Mund legst. Meine Meinung ist eben nicht so.Ich habe mehr Respekt vor Pennern und Obdachlosen(sie bezeichnen sich selbst oft als Penner, so wie Prostituierte sich selbst nicht selten als Nutten oder Huren bezeichnen---dies nur, falls jemand käme und mir political correctness predigen will)...mehr Respekt als vor manchen gut behüteten Wächtern unseres Wohlstands. Aber das kommt natürlich auf den Einzelfall an: Es gibt menschliche Nieten in Nadelstreifen und Nieten, die Platte machen. Wer mir sympathisch ist, entscheide ich beim Kennenlernen und nicht beim Lesen des Lebenslaufes. Und bitte: Laßt uns doch nicht reflexartig und automatisch Respekt äußern, weil es jemand in den Freitod schafft. Laßt uns Respekt und Toleranz äußern, weil sie/er ein Mensch ist.....ob für oder gegen den Tod sich entscheidend.
Und Manfred....ich weiß jetzt garnix von dir...entweder sind all' meine emails bei Dir nicht angekommen oder aber Du scheust dich davor, einfach zu schreiben, daß Du nicht antworten willst....und evtl. den Grund. Aber ich sagte ja in der letzten, daß ich's jetzt aufgebe.Ist ein Forum mehrwertiger als ein direktes individuelles Angesprochenwerden/Angeschriebenwerden ? Irgendwie könnte man da nun auch nochmal das Wort "Toleranz" strapazieren.....
Ebenfalls liebe Grüße an euch
Hieroniemuß jetzt gehn...
Oh man Carl! Wie sehr kann man eigentlich missverstanden werden? Es war nie meine Intention mit diesem Gedicht auszudrücken, dass ich mich am liebsten umbringen würde. Es geht vielmehr um jemanden, der in seiner Phantasie Naturbilder entfremdet und sie einsetzt durch eine karge Industrielandschaft. Die Birken, die Natur symbolisieren sollen, werden aus ihrer Heimat verdrängt und in ihrer neuen Umgebung fühlen sie sich fehl am Platze. Es geht um jemanden, der sieht, als Gabe der Prophezeihung. Götter der Natur werden ausgetauscht mit Götzenbildern der Großindustrie..Plakate zieren Hochhauswände als Kruzifixersatz ect ( und nicht, dass ihr denkt ich wünschte mir das Kreuz zurück..mein Gedicht ist eher von atheistischem Unterton ). Zuletzt entscheidet sich dieses lyrische Ich aus einer solchen Welt zu fliehen und sieht in den Bahnschienen ein Zeittor um sein Leiden zu beenden aus einer Welt, in der jeder nur noch jeden manipuliert...Er sieht darin seine Freiheit. Es steckt also viel mehr dahinter, als ein Depressiver der sich mal eben auf die Bahnschienen werfen will...
hallo sabrina, du wünscht dir den tod? nein, die fee von der man spricht erscheint nicht, du hst dich mit deinen texten schon längst wieder für das leben entschieden, menschen bewegen sich auf zwei ebenen, auf einer reden sie auf einer handeln sie, aber du machst es richtig, wir menschen müssen dir zuhören, denn jeder ist für alles gleichzeitig verantwortlich: also stell die menschen zur rede, gib zurück was sie dir antun denn sie sind meister im vergessen, verstecken, vertuschen, schreib weiter so dass diese kranke welt versteht und sich nicht mehr wegdreht vor dir und vor allen die sie vergißt und liegenläßt, du gehörst zu dieser welt wie auch ich ein teil dieser bin gott
Hallo Hieronimuss, natürlich zieht ein Bahn-Suizid den Lokführer mit rein. Umgekehrt haben natürlich Andere -
Arbeitskollegen, Familien, Umwelt undundund den oder die Betroffene(n) auch mit "reingezogen", eine schlimme
Wechselwirkung.. Kann ein Verzweifelter, vor der Bahn, seine Tat nach steuern, nachdem er vielleicht oft genug
vergeblich, um mehr Lebensqualität und - Sinn, gekämpft hat? Wer weiß schon, was der Mensch, der aufgibt, alles
durchgemacht hat, wer steckt in seiner Haut? - Das ist jetzt kein Plädoyer für Suizid, aber eins dafür, viel-
leicht auch der jungen Autorin mal mehr Toleranz entgegenzubringen, auch ihrem Mut, sich einem so
schweren Thema wie "Freitod" anzunehmen.
Lieber Hieroniemuss!
Ich muss schon sagen- ziemlich einfache, einseitige Darstellung! Und du glaubst tatsächlich, dass "die Anderen" keine Mitschuld tragen, an dem, was sich ein Suizid-Gefährdeter vermeintlich antut? Ich kann hier zwar nur für mich sprechen, aber ich finde, dass ich gar nicht erst in einer solchen " heilen Welt /Gesellschaft" leben will, in der man annimmt, dass es eine Depression nicht gibt, in der man sich nicht mit Depressionskranken konfrontieren will und in der man in einer Weise sich in seinem eigenen Schicksal gekränkt fühlt, wenn jemand anderes sich vor ihm das Leben nimmt. Das wäre als ob ich, sähe ich einen Obdachlosen auf der Straße, mich darüber aufregen würde, warum dieser Mensch ausgerechnet vor mir seine Armut darlegt....diese Aussage deinerseits gibt mir tatsächlich viel zu denken...
PS: Exeunt bedeutet: Sie gehen ab...
Lg
Freileben?
Freitod?
Aber klar doch!!, solange man anderen damit nicht ihr "Frei" nimmt.
Wie schade, daß die freiwillig aus dem Existieren scheiternden immer wieder so mitreißend sind, daß sie andere mitreinziehen: Der oder die sich vor den Zug werfende nimmt dem Zugführer sein "Frei" von Schuldgefühlen bei künftigen Fahrten. Unser sensibler Torhüter nahm es auch einem Bahnangestellten. Die und der Geisterfahrer mit tödlichem Freischein nehmen dem Entgegenkommenden den Schein einer vor Sekunden noch "heilen" Welt.
Derunddie an Gott glaubenden geben Gott Mitschuld am apathischen Industrie-Lümmel und dessen Macht....dabei müßten sie nur bei Gott das "allmächtig" streichen. Gott ist nicht allmächtig, nur Glaube(an was auch immer)ist "allmächtig".....naja fast.
An alle zum Weiterleben Entschlossene und für's Sterben entschiedene: Bitte immer schön rechts und links und oben und unten schauen, ob niemand im Weg steht, sitzt, liegt, fährt und fliegt......und erst dann
READY-STEADY-GO !!
Danke für deinen Text, Sabrina. Was bedeutet "Exeunt." ganz am Schluß ? Und den Satz "Wer ist heute noch ungläubig, ist´s unhold!" versteh' ich ebenfalls nicht...oder er ist falsch gebaut.
Schön'Gruß
Hieroniemuß
Danke für das viele Feedback! Vorab muss ich sagen, dass man uns Autoren doch eine künstlerische Freiheit lassen sollte; auch wenn wir leidenschaftlich in uns gehen, mal das Leben durch einen anderen Winkel sehen, dann bedeutet das noch lange nicht, dass wir direkt von der nächsten Brücke springen! Persönlich bin ich dann doch nicht ganz so nihilistisch ;-)! @Boenie: Klar, so kann man die Dinge auch darstellen; den feinen Humor überlass ich anderen:-); bin glaub ich eher "der" Kritiker...aber keine schlechte idee- kannste was draus machen=), hat mich amüsiert;-)!
immer dieser schriftstellerische pessimismus...............
........ und dann hat boeni den industriehimmel einfach aufgegessen!!!!!!!!!!!!!!!!!
..
und wie ärgerte sich das "lyrische ich", als es am nächsten morgen ganz verschlafen, den kopf auf harten eisenbahnschienen gebettet feststellen musste, dass die gleise seit gestern stillgelegt worden waren, oder einfach nur alle züge die bisher hätten kommen müssen, entgleist waren.
und überhaupt!!!!!!!!!!!!!
gott muss auch mal urlaub machen dürfen... wenn man bedenkt, dass er schon ein paar milliarden jahre sich diesen ganzen evolutionsmüll anglotzen muss. hmppppfff
Ich finde, dass es Dir erschreckend gut gelungen ist, ein erschreckendes Szenario der Ausweglosigkeit darzustellen. Die Sinnlosigkeit und Kälte kommt nahezu körperlich spürbar für mich rüber. Kompliment für den beklemmenden Text, verbunden mit einer vorsorglichen Bitte, falls der Text Deine derzeitigen Emotionen widerspiegelt: Warte auf den Frühling, selbst Birken können wieder schön sein !
Mutiger, gewagter, auch provozierender Text - Frei-Tod, immer noch ein Tabu in unserer Gesellschaft, durch
den Suizid des prominenten Torhüters wieder mehr in den Blickpunkt gerückt. Starkes Bild, von den apathischen
Birken, die wie Wünschelruten einer anderen Zeit wirken - welche Sehnsucht ruft da? "Letztes Wurmloch aus
Knechtschaft" hätte genügt, den Ausweg sieht der oder die Lebensmüde auch schon so - "Die Freiheit, wer
könnte sie mir nehmen" - letzlich niemand. Suizid ist letzlich wohl die einzige wirkliche Freiheit, die ein
am Leben leidender Mensch hat. Hier im Gedicht ist der Gedanke vielleicht noch zu deutlich, wie eine Selbst-
Rechtfertigung. - Ansonsten, packender, sperriger Text, der mit manchem Zuhörer wohl erst mal noch mit geht,
ihm seine eigene Auseinandersetzung aufdrängt. Ein Text, der nicht jedem oder jeder gefallen wird, der aber
aufrüttelt, und das macht starke Texte aus.
Forum - Texte - Freitod!
Freitod!
Birken apathisch am Industriehimmel
stehen wie Wünschelruten einer anderen zeit
Relikte, vergessenen Heimes
Welchen Gott verlassen? Welches Götzenbild erschaffen?
Jämmerliche Szenerie, Tristésse!
Letzte Kulisse vor dem Exodus, dem Neongott- die Birken
Kältestarre- der Schnee ist Watte
Und tunkt Ruß um Schornsteinaquedukte
in weiße, wahre Unschuld!
Wer ist heute noch ungläubig, ist´s unhold!
Welchen Gott verlassen? Was haben Menschen bloß erschaffen?
Bahnschranken- alles Automatik
Zeitschiene verkleinert sich
Letztes Wurmloch aus Knechtschaft- Sehen Sie den Ausweg?
Vorsicht! Bahnschienen nicht betreten!
Du sollst, er sollst, sie soll...
Die Freiheit- wer könnte Sie mir nehmen?
Welchen Gott verlassen? Was haben Menschen bloß erschaffen?
Exeunt.
16 Kommentare
Freitod als Thema: Von Gott verlassen auf den Weg zu Gott machen… das klingt für mich nach einem spannenden lyrischen Thema, dass unter den verbrauchten Bildern steckt… Und dazu würde ich gern mehr von Dir lesen. Gutes Gelingen weiterhin…
Jetzt hab' ich aber doch gemerkt, daß ich nicht mehr ganz aktuell bin in Verwendung von Bezeichnungen."Aufreißerisch" interpretier' ich jetzt mal als "aufrüttelnd".....Richtig ?
Beste Grüße
Hieroniemuß !!....du magst ja Ausrufezeichen recht gern.
Lg, Sabrina
Ich hätte da mal noch 'ne Frage: Wenn man beide Worte gebraucht(und das tust Du, Sabrina), kann man dann tatsächlich atheistisch sein oder begibst Du dich nur in eine atheistische Erzähl-Perspektive? Mit den beiden Worten meine ich:"Gott" und "Götzenbild" Ich denke, ein Götzenbild kann es nur geben, wenn man annimmt, es gäbe auch Gott.
Gruß
Hieroniemuß
Diskussionskultur gibt. Hieronimuss: ich habe bisher leider keine Mails erhalten, schau mal in
Dein Profil, ich habe Dir eine Nachricht mit aktueller Mail-Adresse geschickt. Sabrina: Gut, daß Du
darauf verweist, daß eine entfremdete Natur, eine Götzen-Natur, ein wichtiger Grund sein kann, einen
selbstgewählten Ausweg zu suchen, in eine ersehnte, ganzheitliche, geistige Natur.
Nur: ohne Deinen Kommentar wäre ich jetzt nicht so schnell draufgekommen, der Fokus ist doch sehr
stark auf das Thema "Freitod" gerichtet, das andere "...Birken apathisch am Industriehimmel" sehe ich
mehr als düstere Kulisse, eines resignierten Ich-Erzählers. Aber, wie schrieb "AltundGrau":"Warte auf
den Frühling, selbst Birken können dann wieder schön sein".
Zunächst muss ich sagen, dass ich deine Aussagen auch gar nicht als Kritik gegen mich als Autorin gesehen habe. Das, was wir zur Diskussion gemacht haben, geht ja eig. über den Text hinaus. Ich bin sogar sehr erfreut darüber, dass diese Seite hier sich, für mich, ein absoluter Neuling, was die PoetrySlam anbelangt, als Portal erweist, mit dessen Hilfe wir hier frei und auf vernünftiger, freundlicher Basis diskutieren können.
Was nun deine weitere Erläuterung betrifft, so bin ich im Nachhinein gänzlich mit dem einverstanden, was du sagst. Wahrscheinlich haben mich einfach diese leicht sarkastischen Äußerungen: ".und erst dann
READY-STEADY-GO !!" von deiner eigentlichen Aussage abgelenkt und in meinem Kopf klang eine Stimme, die das Thema weniger ernst nimmt. Aus deiner eigenen Erfahrung heraus, muss ich natürlich die angezweifelte Aufrichtigkeit deines Beitrages zurücknehmen. Natürlich bin ich auch der Meinung, dass Selbstmörder nicht das Recht haben in ihrem Leid, andere mit in den Tod zu ziehen. Hier müssen wir aber zwischen solchen differenzieren, die sich bewusst an ihrer Umwelt rächen wollen und solchen, die rein aus Affekt handeln und sich nicht darüber im Klarem sind, was sie damit ihrer Umwelt antun.
"Und bitte: Laßt uns doch nicht reflexartig und automatisch Respekt äußern, weil es jemand in den Freitod schafft. Laßt uns Respekt und Toleranz äußern, weil sie/er ein Mensch ist.....ob für oder gegen den Tod sich entscheidend" - Dem kann ich mich nur voll und ganz anschließen in dem Wissen nicht behauptet zu haben, dass ein Mensch der Suizid begeht mehr Achtung verdient hätte ( Nochmals muss ich aber darauf hinweisen, dass in meinem Gedicht etwas anderes gemeint war...siehe letzter Beitrag).
Lg
Hm....."Und du glaubst tatsächlich, dass die Anderen keine Mitschuld tragen an dem, was sich ein Suizid-Gefährdeter vermeintlich antut?"
Nein, das glaub'ich nicht. Wenn ich das täte, hätte ich das geschrieben, Sabrina. Ich sagte, daß es schade ist, daß Freitodwählende andere mitreinziehen ....z.B.den Zugführer, den entgegenkommenden Autofahrer.Und ich füge jetzt hinzu, daß das von Selbstmördern in keinster Weise in Ordnung ist......sie sollen bitteschön eine Art der Selbst-Tötung wählen, bei der sie nicht die unfreiwillige Beteiligung dritter brauchen. Daß das nicht immer geht--Manfred--ist mir bewußt. Daß dies oft ginge ist zwar nicht bewiesen, aber doch fast offensichtlich, wenn man verfolgt, wie penibel und oft langfristig Selbstmorde geplant wurden.Jedenfalls finde ich es gut, daß meine Schwägerin das Seil und nicht den Zug gewählt hat.
Frei, den Tod zu wählen--JA !, aber nicht frei, sich von anderen töten zu lassen. Andere, die dann mit dieser Katastrophe leben "müssen". Der Zugführer, der entgegenkommende Autofahrer usw....unfreiwillige Mit-Töter. "keine Mitschuld" gebrauche ich in Bezug auf Gott: er/sie/es kann nicht alles....das ist alles.
Und Manfred: Ich bringe natürlich der Autorin Toleranz entgegen,sogar tiefen Respekt... ich habe mich für ihren Text bedankt und erst garnicht nachgesehn, wie jung oder alt sie ist.....weil das nichts zur Sache tut. Ich habe argumentiert gegen "rücksichtslose" Suicid-ler, nicht gegen die Autorin Sabrina. Klar ist, daß auch sicher diese Suicidler von vielem zu wenig bekamen. Unter anderem vielleicht zu wenig Rücksicht.
Wenn Beiträge nicht allegorisch, bildhaft oder fabel-haft sind wie mein Kommentar....empfehle ich immer: Versucht---bevor ihr zwischen den Zeilen sucht---direkt in den Zeilen Wort für Wort zu lesen und keines hinzuzufügen, damit ihr--wenn ihr euch zuhört während ihr lest---nicht mehr findet als vom Schreiber gestreut wurde.
"Das wäre als ob ich, sähe ich einen Obdachlosen auf der Straße, mich darüber aufregen würde, warum dieser Mensch ausgerechnet vor mir seine Armut darlegt....diese Aussage deinerseits gibt mir tatsächlich viel zu denken..." Liebe Sabrina, das ist deine Formulierung, die Du mir in den Mund legst. Meine Meinung ist eben nicht so.Ich habe mehr Respekt vor Pennern und Obdachlosen(sie bezeichnen sich selbst oft als Penner, so wie Prostituierte sich selbst nicht selten als Nutten oder Huren bezeichnen---dies nur, falls jemand käme und mir political correctness predigen will)...mehr Respekt als vor manchen gut behüteten Wächtern unseres Wohlstands. Aber das kommt natürlich auf den Einzelfall an: Es gibt menschliche Nieten in Nadelstreifen und Nieten, die Platte machen. Wer mir sympathisch ist, entscheide ich beim Kennenlernen und nicht beim Lesen des Lebenslaufes. Und bitte: Laßt uns doch nicht reflexartig und automatisch Respekt äußern, weil es jemand in den Freitod schafft. Laßt uns Respekt und Toleranz äußern, weil sie/er ein Mensch ist.....ob für oder gegen den Tod sich entscheidend.
Und Manfred....ich weiß jetzt garnix von dir...entweder sind all' meine emails bei Dir nicht angekommen oder aber Du scheust dich davor, einfach zu schreiben, daß Du nicht antworten willst....und evtl. den Grund. Aber ich sagte ja in der letzten, daß ich's jetzt aufgebe.Ist ein Forum mehrwertiger als ein direktes individuelles Angesprochenwerden/Angeschriebenwerden ? Irgendwie könnte man da nun auch nochmal das Wort "Toleranz" strapazieren.....
Ebenfalls liebe Grüße an euch
Hieroniemuß jetzt gehn...
Arbeitskollegen, Familien, Umwelt undundund den oder die Betroffene(n) auch mit "reingezogen", eine schlimme
Wechselwirkung.. Kann ein Verzweifelter, vor der Bahn, seine Tat nach steuern, nachdem er vielleicht oft genug
vergeblich, um mehr Lebensqualität und - Sinn, gekämpft hat? Wer weiß schon, was der Mensch, der aufgibt, alles
durchgemacht hat, wer steckt in seiner Haut? - Das ist jetzt kein Plädoyer für Suizid, aber eins dafür, viel-
leicht auch der jungen Autorin mal mehr Toleranz entgegenzubringen, auch ihrem Mut, sich einem so
schweren Thema wie "Freitod" anzunehmen.
Ich muss schon sagen- ziemlich einfache, einseitige Darstellung! Und du glaubst tatsächlich, dass "die Anderen" keine Mitschuld tragen, an dem, was sich ein Suizid-Gefährdeter vermeintlich antut? Ich kann hier zwar nur für mich sprechen, aber ich finde, dass ich gar nicht erst in einer solchen " heilen Welt /Gesellschaft" leben will, in der man annimmt, dass es eine Depression nicht gibt, in der man sich nicht mit Depressionskranken konfrontieren will und in der man in einer Weise sich in seinem eigenen Schicksal gekränkt fühlt, wenn jemand anderes sich vor ihm das Leben nimmt. Das wäre als ob ich, sähe ich einen Obdachlosen auf der Straße, mich darüber aufregen würde, warum dieser Mensch ausgerechnet vor mir seine Armut darlegt....diese Aussage deinerseits gibt mir tatsächlich viel zu denken...
PS: Exeunt bedeutet: Sie gehen ab...
Lg
Freitod?
Aber klar doch!!, solange man anderen damit nicht ihr "Frei" nimmt.
Wie schade, daß die freiwillig aus dem Existieren scheiternden immer wieder so mitreißend sind, daß sie andere mitreinziehen: Der oder die sich vor den Zug werfende nimmt dem Zugführer sein "Frei" von Schuldgefühlen bei künftigen Fahrten. Unser sensibler Torhüter nahm es auch einem Bahnangestellten. Die und der Geisterfahrer mit tödlichem Freischein nehmen dem Entgegenkommenden den Schein einer vor Sekunden noch "heilen" Welt.
Derunddie an Gott glaubenden geben Gott Mitschuld am apathischen Industrie-Lümmel und dessen Macht....dabei müßten sie nur bei Gott das "allmächtig" streichen. Gott ist nicht allmächtig, nur Glaube(an was auch immer)ist "allmächtig".....naja fast.
An alle zum Weiterleben Entschlossene und für's Sterben entschiedene: Bitte immer schön rechts und links und oben und unten schauen, ob niemand im Weg steht, sitzt, liegt, fährt und fliegt......und erst dann
READY-STEADY-GO !!
Danke für deinen Text, Sabrina. Was bedeutet "Exeunt." ganz am Schluß ? Und den Satz "Wer ist heute noch ungläubig, ist´s unhold!" versteh' ich ebenfalls nicht...oder er ist falsch gebaut.
Schön'Gruß
Hieroniemuß
........ und dann hat boeni den industriehimmel einfach aufgegessen!!!!!!!!!!!!!!!!!
..
und wie ärgerte sich das "lyrische ich", als es am nächsten morgen ganz verschlafen, den kopf auf harten eisenbahnschienen gebettet feststellen musste, dass die gleise seit gestern stillgelegt worden waren, oder einfach nur alle züge die bisher hätten kommen müssen, entgleist waren.
und überhaupt!!!!!!!!!!!!!
gott muss auch mal urlaub machen dürfen... wenn man bedenkt, dass er schon ein paar milliarden jahre sich diesen ganzen evolutionsmüll anglotzen muss. hmppppfff
grüßle
bön
den Suizid des prominenten Torhüters wieder mehr in den Blickpunkt gerückt. Starkes Bild, von den apathischen
Birken, die wie Wünschelruten einer anderen Zeit wirken - welche Sehnsucht ruft da? "Letztes Wurmloch aus
Knechtschaft" hätte genügt, den Ausweg sieht der oder die Lebensmüde auch schon so - "Die Freiheit, wer
könnte sie mir nehmen" - letzlich niemand. Suizid ist letzlich wohl die einzige wirkliche Freiheit, die ein
am Leben leidender Mensch hat. Hier im Gedicht ist der Gedanke vielleicht noch zu deutlich, wie eine Selbst-
Rechtfertigung. - Ansonsten, packender, sperriger Text, der mit manchem Zuhörer wohl erst mal noch mit geht,
ihm seine eigene Auseinandersetzung aufdrängt. Ein Text, der nicht jedem oder jeder gefallen wird, der aber
aufrüttelt, und das macht starke Texte aus.
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