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Aber sie waren zahlreich und die Nudeln wollten auch mal wieder Soße…
[INTRO, darf übersprungen werden]
Manche Rezensionen beschmutzen allein schon durch den bloßen Gedanken an ihre Existenz. Dennoch darf ein apokalyptisch praktizierter Buchfetischismus nicht dazu führen, dass ganze Bundeswehreinheiten von Rezensentensprösslingen monatelang nur trockene Nudeln essen müssen. Deshalb ist es nun mal weniger ungünstig, wenn man schon unbedingt Bücher ‚besprechen‘ muss wie andere das Orakel zur Verhinderung des Maya-Kalenders, an dieselben möglichst ohne Einsatz des Nudelbudgets zu kommen. Umso dümmer, wenn sich diese Bücher dann – how predictable! - als solche erweisen, die eigentlich keiner Rezension mehr bedürfen. Quasi pränatalen Bestsellerstatus seit Anbeginn ihres Schmutztitels haben.
[Das Eigentliche]
Eine weitere Ruhrpott-Bibel hat pünktlich zur Buchmesse ihren güldenen Ruhrpott-Schrein verlassen, um bundesweit die herbstlich verdunkelten Gemüter zu erhellen. HIS HOLINESS, THE GOLDEN ‚RAMPENSAU‘ of patenteste Talentkesselschmiede Deutschlands, der Grönemeyer des klassisch-diesseitigen Slam-Olymp, hat wieder formuliert. Oder fabuliert? Und ganz Deutschland geiert ohne Vorwarnung in aller Öffentlichkeit, für dieselbe aus kaum nachvollziehbaren Gründen, laut vor sich hin. Obwohl hierzu jedes weitere Wort überflüssig weil in sich schon beleidigend ist, hat der Rezensent trotzdem die leidige Pflicht zu erfüllen, dem Buchdonator einen aussagekräftigen Link zu schicken. Das zur Erklärung, warum hier ein Buch Erwähnung findet, das entgegen mancher ‚Feuchtgebiete‘ und der ghostgewrittenen Bewerbungsschreiben für tragende Posten von wohlklingenden doppelnamentragenden Pfosten so saftigen Humor bietet, dass man es sich besser von seinem Arzt verschreiben lassen sollte als darüber zu schreiben.
Grundfazit dieses Buches: Hahahahahahahahahöhahaha!!! Oder, mit etwas mehr Euphorie und Emphase: Harrharrharrharrharrharrdoppelharr95C!!! Wer dem ernst-deutschen Alltag ein wenig entvögeln möchte, wer sich von Tod, ansteckender Krankheit, Hitzewallungen, Ungerechtigkeit in der Welt, schwelenden Kündigungen, affigen Nachbarn, drohender Demenz, eigener Erfolglosigkeit und eigener Schwiegermutter ein wenig ablenken möchte, der sollte ruhig dieses Buch lesen. Einfach nur so. Just for fun. Wer natürlich meint, nur jenes Buch sei ein gutes Buch, bei dessen Lektüre das komplette Duden-Programm von Fremdwort- bis Homonym-Lexikon Anwendung findet, um einem randgruppendaseinfristenden Ex-Germanistikstudenten neue Bedeutung zu verleihen, der lese doch lieber Chomsky.
Zum eigentlichen Inhalt muss man nicht allzu viel verraten: die meisten slam-affinen Personen werden die eine oder andere Geschichte kennen. Ich möchte behaupten: in geschriebener Form sind die Stories nicht weniger wirksam, unter Umständen entfalten sie sogar unabhängig vom Eros-Ramazotti-Live-Charme des bekanntesten ruppigen Ruhrpottmützenträgers erst richtig ihre in Lacher pro Seite messbare Wirkung. Ob Sinatra, Sonnenstudio oder Türkei, ob Kotze, Korsett oder Glitschfisch: meine ganz persönliche Lieblingsstory ist das Promi-Diner. Das muss man selbst lesen. Dagegen ist Boris Beckers Besenkammergeschichte so fade wie Sex on the Beach ohne Wodka, Sex und Beach zusammen.
Am Ende des Buches zieht der Autor selbst Resümee. Wie man es halt so tut, wenn das Ausmaß des Slam-Mützen-Verschleißes parallel zum Koffein-Shampoo-Verbrauch ansteigt und man feststellt, dass Fernsehgucken nichts anderes ist als lediglich anderer Leute Lebenssimulation zu begaffen. Sträter konstatiert, dass er „poetisch ein Krüppel und lyrisch eine Null“ sei.
„Ich kann nur abbilden, und das schmucklos und schlicht, und wenn ich es hinkriege, ganz lustig, denn je älter ich werde, desto lustiger will ich sein …“ (Torsten Sträter)
So ganz stimmt das nicht, denn wenn Sträter nur ‚schlicht‘ ‚abbilden‘ könnte, dann müssten diese Stories wohl phantasiereiche Koksgebilde eines zu extremillustren Verzerrungen neigenden Wahnsinnigen sein, dessen Hirn mit den Synapsen von mindestens 500 schalk(e)zwinkernden Augenpaaren ausgestattet ist, und weil die nicht alle vorn aus der Stirn herausspringen können, sind die Wimpern am ganzen Körper verteilt und senden ihre wunderkerzenähnlichen Funken selbst aus den Hosenbeinen seiner Bruno-Banani-Shorts und unter der Krampe einer seiner 600 Mützen heraus. Außerdem wird er, DER Sträter, zu guter Letzt dann doch ein bisschen poetisch, sagen wir slam-poetisch, denn Poesie zeigt sich ja generell nicht nur in formvollendeter Lyrik, sondern auch in naturalistisch-dramatisch geschilderterten Momenten einer demütigen Kapitulation vor einer Höheren Gewalt als man selbst.
Und weil er sich so gar nicht von seiner Leserschaft lösen kann, schiebt Sträter zugabemäßig noch drei Texte hinterher, wovon seine ‚Anleitung‘ zum erfolgreichen Schreiben, sein Nachwort und sein Masterplan, wie man die eigene Autorenkarriere wirkungsvoll anschieben kann, so ziemlich genau die wichtigsten sein dürften.
Das Petrolblau des Covers in dieser Nuance ist jetzt grade nicht so ganz mein persönlicher Fall. Wie überhaupt die genial persiflierten Sick-Fälle samt globalem Verkehrshinweis zwar absolut quotenwirksame Handlungsaufforderungen sind, aber: da hätte ich mir auch etwas komplett Selbstgesträtertes ohne jegliche Konnotationen vorstellen können: eine Original Sträter-Denotation sozusagen. Egal, es reiht sich nahtlos an andere artähnliche Quoten-Bücher mit dreieckig leuchtenden Warnhinweisschildern aus dem Verlagsprogramm an. Was zählt, ist dies: mein Humorzentrum wurde viele etliche Male kugelblitzmäßig getroffen. Und ich lache wahrhaftig nicht über jeden Mist. Ich hab sozusagen vermeintlich ‚grundlos‘ vor mich ‚hingeiern‘ können, und das bei solch triefenden Absonderlichkeiten wie margarinegefüllte Matratzen im Urlaub, ‚mit dem Geräusch eines Peitschenhiebs‘ in die Wohnung schnellendes und den Wohnzimmerschrank zerschlagendes Fett, oder wie die für die Fernsehaufzeichnung eines perfekten Promi-Diners auf Telefonzellengröße downgegradete Zwei-Zimmerwohnung mit greiser Küchenprostituierten in ölverseuchter Besenkammer. Überhaupt geht es ganz schön fettig zu in diesem Buch. Nicht dass ich jetzt die Bedeutung des katharsischen Effektes in Sträters Schreibe übersehen habe?
[OUTRO, darf nicht übersprungen werden]
Das Leben ist ernst genug. Wohl dem, der die große Kunst beherrscht, seine Mitmenschen zu erheitern. Da ist (mir) jedes Mittel Recht. Was zählt, sind die Lacher pro Seite! Und die wiegen je nach individueller Leserstruktur manchmal sogar doppelt.
[Literaturhinweis]
Torsten Sträter, Der David ist dem Goliath sein Tod;
Taschenbuch: 192 Seiten, Carlsen Verlag GmbH; Auflage: 1 (Oktober 2011)
Sprache: Deutsch; ISBN-13: 978-3551682581, 12,90 Euro
Also wir - und ich spreche hier nicht nur für mich - sind mit der Rezension überaus einverstanden und haben sie mit großem Vergnügen gelesen. Wir können nichts Negatives daran erkennen. Mag sein, dass manchen die nötige wie auch immer geartete Kapazität fehlt, um zu erkennen, dass es sich hier um eine sehr positive Rezension im Hinblick auf das besprochene Buch handelt. Und wir lesen wirklich viele Rezensionen. Diese hier ist TOP!
Forum - Poetry Slam Magazin - Redundant! Manche Dinge sind einfach redundant!...
Redundant! Manche Dinge sind einfach redundant! Diese Rezi z.B.
Manche Rezensionen beschmutzen allein schon durch den bloßen Gedanken an ihre Existenz. Dennoch darf ein apokalyptisch praktizierter Buchfetischismus nicht dazu führen, dass ganze Bundeswehreinheiten von Rezensentensprösslingen monatelang nur trockene Nudeln essen müssen. Deshalb ist es nun mal weniger ungünstig, wenn man schon unbedingt Bücher ‚besprechen‘ muss wie andere das Orakel zur Verhinderung des Maya-Kalenders, an dieselben möglichst ohne Einsatz des Nudelbudgets zu kommen. Umso dümmer, wenn sich diese Bücher dann – how predictable! - als solche erweisen, die eigentlich keiner Rezension mehr bedürfen. Quasi pränatalen Bestsellerstatus seit Anbeginn ihres Schmutztitels haben.
[Das Eigentliche]
Eine weitere Ruhrpott-Bibel hat pünktlich zur Buchmesse ihren güldenen Ruhrpott-Schrein verlassen, um bundesweit die herbstlich verdunkelten Gemüter zu erhellen. HIS HOLINESS, THE GOLDEN ‚RAMPENSAU‘ of patenteste Talentkesselschmiede Deutschlands, der Grönemeyer des klassisch-diesseitigen Slam-Olymp, hat wieder formuliert. Oder fabuliert? Und ganz Deutschland geiert ohne Vorwarnung in aller Öffentlichkeit, für dieselbe aus kaum nachvollziehbaren Gründen, laut vor sich hin. Obwohl hierzu jedes weitere Wort überflüssig weil in sich schon beleidigend ist, hat der Rezensent trotzdem die leidige Pflicht zu erfüllen, dem Buchdonator einen aussagekräftigen Link zu schicken. Das zur Erklärung, warum hier ein Buch Erwähnung findet, das entgegen mancher ‚Feuchtgebiete‘ und der ghostgewrittenen Bewerbungsschreiben für tragende Posten von wohlklingenden doppelnamentragenden Pfosten so saftigen Humor bietet, dass man es sich besser von seinem Arzt verschreiben lassen sollte als darüber zu schreiben.
Grundfazit dieses Buches: Hahahahahahahahahöhahaha!!! Oder, mit etwas mehr Euphorie und Emphase: Harrharrharrharrharrharrdoppelharr95C!!! Wer dem ernst-deutschen Alltag ein wenig entvögeln möchte, wer sich von Tod, ansteckender Krankheit, Hitzewallungen, Ungerechtigkeit in der Welt, schwelenden Kündigungen, affigen Nachbarn, drohender Demenz, eigener Erfolglosigkeit und eigener Schwiegermutter ein wenig ablenken möchte, der sollte ruhig dieses Buch lesen. Einfach nur so. Just for fun. Wer natürlich meint, nur jenes Buch sei ein gutes Buch, bei dessen Lektüre das komplette Duden-Programm von Fremdwort- bis Homonym-Lexikon Anwendung findet, um einem randgruppendaseinfristenden Ex-Germanistikstudenten neue Bedeutung zu verleihen, der lese doch lieber Chomsky.
Zum eigentlichen Inhalt muss man nicht allzu viel verraten: die meisten slam-affinen Personen werden die eine oder andere Geschichte kennen. Ich möchte behaupten: in geschriebener Form sind die Stories nicht weniger wirksam, unter Umständen entfalten sie sogar unabhängig vom Eros-Ramazotti-Live-Charme des bekanntesten ruppigen Ruhrpottmützenträgers erst richtig ihre in Lacher pro Seite messbare Wirkung. Ob Sinatra, Sonnenstudio oder Türkei, ob Kotze, Korsett oder Glitschfisch: meine ganz persönliche Lieblingsstory ist das Promi-Diner. Das muss man selbst lesen. Dagegen ist Boris Beckers Besenkammergeschichte so fade wie Sex on the Beach ohne Wodka, Sex und Beach zusammen.
Am Ende des Buches zieht der Autor selbst Resümee. Wie man es halt so tut, wenn das Ausmaß des Slam-Mützen-Verschleißes parallel zum Koffein-Shampoo-Verbrauch ansteigt und man feststellt, dass Fernsehgucken nichts anderes ist als lediglich anderer Leute Lebenssimulation zu begaffen. Sträter konstatiert, dass er „poetisch ein Krüppel und lyrisch eine Null“ sei.
„Ich kann nur abbilden, und das schmucklos und schlicht, und wenn ich es hinkriege, ganz lustig, denn je älter ich werde, desto lustiger will ich sein …“ (Torsten Sträter)
So ganz stimmt das nicht, denn wenn Sträter nur ‚schlicht‘ ‚abbilden‘ könnte, dann müssten diese Stories wohl phantasiereiche Koksgebilde eines zu extremillustren Verzerrungen neigenden Wahnsinnigen sein, dessen Hirn mit den Synapsen von mindestens 500 schalk(e)zwinkernden Augenpaaren ausgestattet ist, und weil die nicht alle vorn aus der Stirn herausspringen können, sind die Wimpern am ganzen Körper verteilt und senden ihre wunderkerzenähnlichen Funken selbst aus den Hosenbeinen seiner Bruno-Banani-Shorts und unter der Krampe einer seiner 600 Mützen heraus. Außerdem wird er, DER Sträter, zu guter Letzt dann doch ein bisschen poetisch, sagen wir slam-poetisch, denn Poesie zeigt sich ja generell nicht nur in formvollendeter Lyrik, sondern auch in naturalistisch-dramatisch geschilderterten Momenten einer demütigen Kapitulation vor einer Höheren Gewalt als man selbst.
Und weil er sich so gar nicht von seiner Leserschaft lösen kann, schiebt Sträter zugabemäßig noch drei Texte hinterher, wovon seine ‚Anleitung‘ zum erfolgreichen Schreiben, sein Nachwort und sein Masterplan, wie man die eigene Autorenkarriere wirkungsvoll anschieben kann, so ziemlich genau die wichtigsten sein dürften.
Das Petrolblau des Covers in dieser Nuance ist jetzt grade nicht so ganz mein persönlicher Fall. Wie überhaupt die genial persiflierten Sick-Fälle samt globalem Verkehrshinweis zwar absolut quotenwirksame Handlungsaufforderungen sind, aber: da hätte ich mir auch etwas komplett Selbstgesträtertes ohne jegliche Konnotationen vorstellen können: eine Original Sträter-Denotation sozusagen. Egal, es reiht sich nahtlos an andere artähnliche Quoten-Bücher mit dreieckig leuchtenden Warnhinweisschildern aus dem Verlagsprogramm an. Was zählt, ist dies: mein Humorzentrum wurde viele etliche Male kugelblitzmäßig getroffen. Und ich lache wahrhaftig nicht über jeden Mist. Ich hab sozusagen vermeintlich ‚grundlos‘ vor mich ‚hingeiern‘ können, und das bei solch triefenden Absonderlichkeiten wie margarinegefüllte Matratzen im Urlaub, ‚mit dem Geräusch eines Peitschenhiebs‘ in die Wohnung schnellendes und den Wohnzimmerschrank zerschlagendes Fett, oder wie die für die Fernsehaufzeichnung eines perfekten Promi-Diners auf Telefonzellengröße downgegradete Zwei-Zimmerwohnung mit greiser Küchenprostituierten in ölverseuchter Besenkammer. Überhaupt geht es ganz schön fettig zu in diesem Buch. Nicht dass ich jetzt die Bedeutung des katharsischen Effektes in Sträters Schreibe übersehen habe?
[OUTRO, darf nicht übersprungen werden]
Das Leben ist ernst genug. Wohl dem, der die große Kunst beherrscht, seine Mitmenschen zu erheitern. Da ist (mir) jedes Mittel Recht. Was zählt, sind die Lacher pro Seite! Und die wiegen je nach individueller Leserstruktur manchmal sogar doppelt.
[Literaturhinweis]
Torsten Sträter, Der David ist dem Goliath sein Tod;
Taschenbuch: 192 Seiten, Carlsen Verlag GmbH; Auflage: 1 (Oktober 2011)
Sprache: Deutsch; ISBN-13: 978-3551682581, 12,90 Euro
5 Kommentare
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Franzi Röchter