20.1.2017
Liebe Slamily,

Es waren neun spannende Jahre für mich. Aber mein Leben und ich, wir haben uns verändert, und ich habe mich bereits die letzten Jahre nicht in dem Maße um MySlam kümmern können, wie ich es gerne getan hätte. Daher endet dieses Kapitel für mich heute.
Ich wünsche euch, dass ihr weiterhin die lauten Töne und noch viel mehr die leisen beherrscht. Dass ihr die Zwerchfelle der Menschen berührt und noch viel mehr ihre Herzen.
Ich bedanke mich bei euch für die Treue und auch für die Kritik, die Provokation und die Leidenschaft. Bei einigen wenigen bedanke ich mich für ihr ganz besonderes Engagement für MySlam.
Bleibt wie ihr seid und schreibt nicht zu viel Käse auf Facebook!


Wolfgang

"Und blüht am End' der Freiheit Glück. Dann ward die Tat des Wortes Lohn"
(Wehwalt Koslovsky)
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Forum - Poetry Slam Magazin - Sexuell verdaechtig? Die politische Dimension e...

Franzi Röchter

Sexuell verdaechtig? Die politische Dimension einer Veranstaltung

Ladys oder riot grrrls? Sexuell unverdächtig oder progressiv? Brauchen wir das wirklich? In welchem Jahrhundert leben wir eigentlich? Die Vermutung liegt nahe: slammäßig teilweise im Mittelalter. Fotos, Presse, Interviews!
Für den 21.01. riefen sie zum zweiten Mal zum Paderborner Lady-Slam auf: die Organisatorinnen des Autonomen Frauenprojektbereiches Mia der Universität Paderborn.

Dass der Teilnehmer-Andrang dieses Mal nicht ganz so üppig war (nach einigen kurzfristigen Absagen insgesamt 5), hatte wohl zwei Gründe: zum einen der unberechenbare lange Winter, dann der kurzfristige Wechsel des Veranstaltungsortes vom Markandu in die Kulte. Doch, um ehrlich zu sein, könnte z.B. noch eine weitere Komponente beteiligt gewesen sein: ertappte ich selbst mich doch bei der Überlegung, ob ich wohl, wenn ich mich dort anmelden würde, als ‚Feministin’ oder gar kämpferische ‚Männerhasserin’ gelten könnte. Dabei würde ich mir lediglich explizit das Wort ‚kämpferisch’ auf die Fahne schreiben.

Weil Paderborn aber so schön um ‚die Ecke’ liegt, wollte ich ‚auflaufen’. Mal im geschützten Raum, unbeobachtet von obercoolen männlichen Bewertungsaugen, bei denen ich u.U. ja gleich doppelt durchs Raster fallen könnte. Schöner gemütlicher Veranstaltungsort im Studio, erste Etage der Kulturwerkstatt Paderborn. Rundherum schwarze Vorhänge, kleinkunstkabarettmäßig künstlerisch anmutend, sehr schöne Bühne mit Piano, und gekonnte Klavierbegleitung durch die ganze Veranstaltung von Anne Miebach (info@annemiebach.de). Volles Haus, restlos.

Dann ging die Tür auf, und eine Lichtgestalt trat herein. War wohl nix mit unbeobachtet von männlichen Kenner-Augen vor sich hinslammen, denn der Urvater der slam-literarischen Buchkunst – das Paderborner Slamurgestein des lektoratsmäßigen Sachverstandes von Sprechtexten- betrat den Raum. Das machte aber nicht wirklich etwas, denn es gibt wohl kaum jemanden, der eine integrativere und inklusivere Ausstrahlung an den Tag legt als DER Slamkanzler höchstpersönlich. Selbst wenn man Knochenschwund hätte, in Gips einbandagiert oder kriechend mit Ganzkörperperücke und Holzbein die Bühne beträte: solange man im Wesentlichen einen Mund hätte, der seine hauptsächliche Funktion wahrnähme, würde man es nicht zu spüren bekommen.

Heilfroh war ich, dass Annika Blanke da war. Erstens ist sie (unglaublich! aber möglich) noch kleiner als ich, zweitens wäre ich mir sonst etwas deplaziert innerhalb einer studentisch-homogenen Veranstaltung vorgekommen.


Die Platzierungen:

1.Vivian Schneider (Paderborn): Debütantin, wunderschön, ihre Ode an ihre Mutter (sollte jede Frau jeden Alters mal lesen oder noch besser hören)
2.Annika Blanke (Oldenburg) / was man alles in 3 !!! Minuten machen kann! 3.Mona Bechauf (Paderborn): wirkte schon ziemlich geübt als Debütantin, trotz nur eines einzigen Workshops, sehr viel Potential / Christina Dissen (Paderborn), ebenfalls Debütantin

Wer weiß schon so genau, wo ich war (auf jeden Fall wohl nicht neben Annika auf Platz 2), auch nicht auf 5 (den gab es nämlich nicht), aber irgendwo dazwischen solls wohl gewesen sein. Das könnte man jetzt so interpretieren, dass die verantwortlichen Damen nicht a) mathematisch unbegabt sind, sondern ihnen b) akribische Punkteklauberei weniger wichtig war als der Spaß am Abend.

Moderiert wurde die Veranstaltung souverän und locker von Tine und Fredi (Christina Piper und Frederike Kallmeyer), beide vom Mia-Team und Studentinnen an der Uni PB.


Einige tolle Fotostrecken findet man (mit freundlicher Genehmigung) hier:

Sebastian Porombka: http://homepages.uni-paderborn.de/queaker/mia-slam/

Maximilian Willem: http://gallery.rfc2324.org/2011/01_21__Lady_Slam/index.html

Ausgewählte Fotos auf der Homepage des Autonomen Frauenprojektbereiches Mia der Uni Paderborn

Bericht der Neuen Westfälischen, Paderborn, vom 27.01.2011, von Carmen Pförtner

Einen Zeitungsausschnitt aus dem Westfalen-Blatt findet man unter den angehängten Fotos.

Ich habe mir erlaubt, einmal gezielt einige Personen (nicht repräsentativ) zum Thema Lady-Slam zu befragen.
1. Katharina Gefele, Mitorganisatorin des Lady-Slams
2. Annika Blanke als Slammerin und Teilnehmerin (Antwort kommt noch)
3. Anna B., Gelegenheitsslammerin, aber in jedem Fall slamaffin
4. Xóchil A. Schütz, Slammerin und Kennerin der Szene
5. Slammoderator Nico Bein, Nichtslammer, slamaffin (Antwort kommt noch)
6. zwei nichtslammende männliche Jugendliche bzw. junge Erwachsene, Außenstehende der Szene

Natürlich hätte ich auch noch mehr Leute, vor allem männliche Slammer, befragen können. Vielleicht mache ich das noch. Vielleicht erübrigt sich das auch. Der Artikel lässt sich beliebig ergänzen, jedenfalls in textlicher Hinsicht. Auch soll noch ein Rundum-Statement zum Thema Lady-Slam von den Organisatorinnen nachgeschoben werden.


[nachträglicher Einschub 02.02.]
Der folgenden Diskussion zum Thema pro und kontra Lady Slam möchte ich noch einen Gedankengang hinzufügen, der mir erst einen Tag nach der Veröffentlichung kommt: er ist so simpel und so naheliegend, dass man erst mal drauf kommen muss. Niemand hat ihn bislang geäußert. Ein zusätzlicher Grund, warum weniger Frauen im Teilnehmerfeld von Slams anzufinden sind, könnte der sein, dass Frauen nun mal ab einem gewissen Alter hin und wieder Nachwuchs haben und auch heute noch für das emotionale Wohl von Jung und Alt in überwiegendem Maße selbst verantwortlich sind oder sich zuständig fühlen (müssen). (Auf etliche Slammerinnen, die ich kenne, trifft das zu). Was das impliziert, muss man eigentlich nicht erläutern: spontane Krankheiten, grad kein Babysitter zur Verfügung, oder den ganzen Tag so genervt worden sein, dass die Sache mit dem Auftritt abends irgendwie absurd wird. Dann soll es sogar Kinder geben, denen Auftritte ihrer Erzeugerin vom Grundsatz her peinlich sind. Gottseidank trifft das auf meine nicht zu, im Gegenteil, habs mir aber berichten lassen. Natürlich haben Männer auch Nachwuchs. Aber ein Wickelbaby oder Kleinkind stellt sicher kein Hindernis dar, wenn das Kind auch eine Mutter hat.


Name: Katharina Gefele, Frauenprojektbereich Mia, Slamfreundin, Alter: 26

Wie oft gehst du im Durchschnitt halbjährlich auf Slams? 2-5x

Würdest du öfter Lady Slams besuchen, wenn es mehr davon gäbe, und wenn ja, warum? Ja, weil die Mädels, die bisher da waren echt toll waren! Und weil ich sonst nur so wenige Frauen auf Slams sehe.

Warum glaubst du brauchen wir einen Lady Slam? Brauchen wir überhaupt einen Lady Slam? Ja, ich denke schon. Frauen sind de facto in der deutschen Slam-Szene unterrepräsentiert. Ohne darüber fachsimpeln zu wollen, ob der Slam nun männlich oder gar „patriarchal“ oder sowas ist, denke ich, dass ein Lady Slam den Frauen einfach einen möglichen Raum gibt, um in die Szene einzusteigen, sich auszuprobieren, auszutoben und andere Frauen aus der Szene kennen zu lernen.

Wenn du die Wahl hättest, einen normalen Slam oder einen Lady Slam zu besuchen, was würdest du vorziehen? Lady Slam! Sowas ist bis jetzt einmalig in Deutschland, so viele gute Slammerinnen auf einer Bühne bekommt man sonst nie zu sehn.

Was glaubst du muss sich am Poetry Slam grundsätzlich ändern? Sollte eine Frauenquote eingeführt werden, um solche Veranstaltungen wie Lady Slams überflüssig zu machen? Der Slam an sich ist ja toll wie er ist! Nur gehen die Mädels irgendwie unter. Wenn sich da was ändern kann, dann nur von „innen“: Es bräuchte mehr Frauen, in allen Bereichen – auf der Bühne, als Veranstalterinnen, Moderatorinnen und insbesondere beim National! Es braucht mehr große weibliche Namen in der Szene, mehr Vorbilder für mehr Ehrgeiz bei den Mädels. Denn ich hab das Gefühl, dass es eigentlich schon ziemlich viele Slammerinnen gibt, sie sind nur nicht so präsent.

Wie erklärst du dir die auffällig geringere Teilnahme von Frauen an Slams? Keine Ahnung… Vielleicht wollen sich Frauen nicht so gerne auf der Bühne zum Horst machen? Aber da es ja eigentlich viele Slammerinnen gibt, ist das Problem wahrscheinlich eher strukturell.

Wie glaubst du würden wir Slammerinnen vielleicht reagieren, wenn es urplötzlich einen Macker Slam gäbe, zu dem wir Frauen per se nicht zugelassen wären? Fänd ich witzig, wenn die Slam-Szene weiblich-dominant wäre ;-) Solange das nicht der Fall ist: langweilig, weil es ja schon genug Männer-lastige Slams gibt.

Wie siehst du die manchmal unter pädagogischem Aspekt vielleicht bedenkliche Wortwahl in manchen Slam-Texten? Ich meine hier eine gelegentlich überdurchschnittlich häufige Verwendung von F-Wörtern in manchen Beiträgen. Denkst du, es gibt noch einen Unterschied zwischen Worten wie A****ch, f***en, F**ze oder gar Sch***thausf***ze? Was glaubst du, wie Eltern das ggfs. sehen könnten? – Hab ich mir noch zu wenig Gedanken drüber gemacht.

Noch mal zum eigentlichen Thema: Ist Lady Slam nur eine von vielen Spielarten in der Slam Szene, oder gibt es einen echten Bedarf? Und wenn ja, warum? Momentan ist es eine Spielart und ein Experiment. Ob ein Bedarf da ist, zeigt sich erst mit der Nachfrage – bisher kam jedenfalls viel Interesse und positives Feedback!


Name: Lucas , Alter: 19, slamindifferent

Wie oft besuchst du im Durchschnitt halbjährlich einen Poetry Slam?

Unterschiedlich. Vor einiger Zeit sicherlich circa 10 mal oder öfter halbjährlich, momentan aber deutlich weniger häufig.

Würdest du als Zuschauer auch zu Lady Slams gehen, wenn es mehr davon gäbe, und wenn ja, warum?

Ja, ich würde auch auf "Lady Slams" gehen, da weibliche Teilnehmerinnen oftmals unterrepräsentiert sind auf gewöhnlichen Slams. Jedenfalls habe ich es so empfunden, dass bei vielen Slams die Männer deutlich in der Überzahl waren und im Übrigen auch fast immer gewonnen haben. Eine höhere Frauenquote würde Slams für mich deutlich interessanter und "frischer" gestalten.

Warum glaubst du brauchen wir einen Lady Slam? Brauchen wir überhaupt einen Lady Slam?

Eigentlich bräuchten wir keinen, wenn Frauen auf "normalen" Slams nicht so in der Unterzahl wären. Da dies aber der Fall ist, halte ich "Lady-Slams" schon für sinnvoll und interessant. Gerade auch deshalb, weil ich leider immer wieder erleben musste, dass Frauen, wenn denn mal welche anwesend waren, bereits nach kurzer Zeit ausschieden und so gut wie nie gewinnen konnten. Somit sind "Lady-Slams" schon nicht schlecht, auch wenn die Einrichtung eines Slams für bestimmte Gruppen oder Geschlechter für mich bedeutet, dass diese Gruppen oder Geschlechter irgendwie mehr oder weniger ausgegrenzt werden bzw definitiv unterrepräsentiert sind, sonst müsste ja ein "Sonder-Slam" nicht eingerichtet werden.

Wenn du die Wahl hättest, einen normalen Slam oder einen Lady Slam zu besuchen, was würdest du vorziehen?

Ich würde auf jeden Fall einen Lady Slam vorziehen, da ich noch auf keinem war. Normale Slams allerdings habe ich schon etliche gesehen, von denen mir auch nicht alle so gut gefallen haben.

Was glaubst du muss sich am Poetry Slam grundsätzlich ändern? Sollte eine Frauenquote eingeführt werden, um solche Veranstaltungen wie Lady Slams überflüssig zu machen?

Die Einführung einer Frauenquote ist eigentlich keine schlechte Idee, hat aber auch einen Nachteil, nämlich dass etwas erzwungen wird, in diesem Fall die Erhöhung der an Slams teilnehmenden Frauen. Es wäre für mich wünschenswerter, wenn auf natürliche Art und Weise mehr Frauen an Slams teilnähmen. Ich denke, am Slam muss sich grundsätzlich ändern, dass er aus der Schublade herausgeholt wird, in der er sich momentan befindet. Diese Eindimensionalität, gerade auch bei den Inhalten, die beim Publikum gut ankommen, nervt mich und führt sicherlich auch dazu, dass viele Teilnehmer mit guten Ideen, darunter bestimmt auch viele Frauen, Slams aus Frust und Ärger einfach meiden anstatt teilzunehmen.

Wie erklärst du dir die auffällig geringere Teilnahme von Frauen an Slams?

Ich könnte mir vorstellen, dass einige Frauen einfach keine Lust haben, weil oft sowieso schon vor Beginn des Slams klar ist, wer den Abend gewinnen wird. Und das sind zudem wie oben bereits gesagt fast immer Männer. Ich denke nicht, dass prozentual großartig weniger Frauen slammen als Männer.

Wie glaubst du würden die weiblichen Slammerinnen reagieren, wenn es urplötzlich einen Macker Slam gäbe, zu dem sie per se nicht zugelassen wären?

Ich glaube, so ein Slam würde die von vielen Frauen gefühlte "Ausgrenzung" und unterschwellige "Unterdrückung" noch bestätigen. Somit bin ich auf jeden Fall gegen so eine Art des Slams. Stattdessen muss endlich für echte Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern gesorgt werden, auch im Poetry Slam Bereich. Das geht natürlich nicht, wenn immer die gleichen Leute mit den immer gleichen belanglosen Texten gewinnen und diese zudem fast immer männlich sind.

Wie siehst du die manchmal unter pädagogischem Aspekt vielleicht bedenkliche Wortwahl in manchen Slam-Texten? Ich meine hier eine gelegentlich überdurchschnittlich häufige Verwendung von F-Wörtern in manchen Beiträgen. Denkst du, es gibt noch einen Unterschied zwischen Worten wie A****ch, f***en, F**ze oder gar Sch***thausf***ze? Was glaubst du, wie Eltern das ggfs. sehen könnten?

Das ist eine schwierige Frage. Ich selbst bin auch Fan von Musikrichtungen, in denen es manchmal arg unter die Grenze des gesellschaftlich Geduldeten gehen kann. Es ist natürlich auch immer ne Frage des Kontextes. Prinzipiell lehne ich solche beleidigenden und von manchen als "frauenfeindlich" betitelten Begriffe nicht grundsätzlich ab. Sie können ja auch in intelligenten und durchaus auch geistreich-lustigen Zusammenhängen gebracht werden. Dennoch muss man solche Beleidigungen immer kritisch sehen. Das riesige Problem ist, dass gerade in vielen Slamtexten diese Begriffe verwendet werden, um billige Lacher des Mainstream-Publikums hervorzurufen. Dabei wird völlig entfremdet, was diese Wörter eigentlich bedeuten und wie beleidigend und diffamierend sie sein können. Somit sollte man da immer differenzieren. Also ich lehne diese Beleidigungen in Kunstformen wie Song-Lyrics und Slamtexten nicht prinzipiell ab, halte sie aber häufig für völlig unangemessen und NICHT unterhaltsam, sondern einfach nur billig und auch moralisch kritisch zu betrachten. Natürlich denke ich, dass Eltern wenig begeistert sein könnten, wenn sie auf Slams dauernd solche Schimpfwörter zu hören bekommen. Wie bereits bei der anderen Frage gesagt, Slam muss meiner Meinung nach aus der Mario-Barth-Schublade rauskommen, sonst wird er auf Dauer sehr uninteressant.

Noch mal zum eigentlichen Thema: Ist Lady Slam nur eine von vielen Spielarten in der Slam Szene, oder gibt es einen echten Bedarf? Und wenn ja, warum?

Es gibt aufgrund der oben genannten Gründe einen echten Bedarf, somit sind Lady Slams von mir sehr positiv zu sehen. Wäre natürlich schöner, wenn sie nicht nötig wären.



Name: Matthias Warkentin, Alter: 20, slamindifferent

Wie oft besuchst du im Durchschnitt halbjährlich einen Poetry Slam?

Ich bin noch nicht so lange mit diesem Genre vertraut, also noch nur so 2 mal.

Würdest du als Zuschauer auch zu Lady Slams gehen, wenn es mehr davon gäbe, und wenn ja, warum?

Durchaus, weil ich denke, dass Frauentexte ganz anders sein können als Männertexte, es sogar meist sind und ein bisschen Abwechslung immer gut ist.

Warum glaubst du brauchen wir einen Lady Slam? Brauchen wir überhaupt einen Lady Slam?

Wäre vielleicht eine gute Sache, da doch sehr wenige Frauen die jetzigen Poetry Slams besuchen, was sehr schade ist.

Wenn du die Wahl hättest, einen normalen Slam oder einen Lady Slam zu besuchen, was würdest du vorziehen?

Wenn ein normaler Slam heißen würde, es wären beide Geschlechter etwa gleich verteilt, dann so. Aber so macht es für mich keinen großen Unterschied.

Was glaubst du muss sich am Poetry Slam grundsätzlich ändern? Sollte eine Frauenquote eingeführt werden, um solche Veranstaltungen wie Lady Slams überflüssig zu machen?

Der Poetry Slam sollte mehr zu seinen Wurzeln gehen und weniger in den Comedy-Bereich driften, wie es momentan der Fall ist. Außerdem wären auch Leute verschiedener Altersgruppen wünschenswert, also nicht so auffallend viele junge Leute.

Wie erklärst du dir die auffällig geringere Teilnahme von Frauen an Slams?

Kann ich mir nur schwer erklären, aber dies scheint ja eher ein deutsches Phänomen zu sein, denn im Ausland sind weibliche Slam-Meisterinnen ja durchaus anzutreffen. Vielleicht fehlt vielen der Mut, es mal zu versuchen, auch wenn sie dazu in der Lage wären.

Wie glaubst du würden die weiblichen Slammerinnen reagieren, wenn es urplötzlich einen Macker Slam gäbe, zu dem sie per se nicht zugelassen wären?

Wahrscheinlich würde dies auf Ablehnung und Verwirrung stoßen, da ja bei der derzeitigen Männer-Anzahl bei den Slams so etwas gar nicht nötig wäre und es die Geschlechter nur mehr trennen würde.

Wie siehst du die manchmal unter pädagogischem Aspekt vielleicht bedenkliche Wortwahl in manchen Slam-Texten? Ich meine hier eine gelegentlich überdurchschnittlich häufige Verwendung von F-Wörtern in manchen Beiträgen. Denkst du, es gibt noch einen Unterschied zwischen Worten wie A****ch, f***en, F**ze oder gar Sch***thausf***ze? Was glaubst du, wie Eltern das ggfs. sehen könnten?

Ich finde es in Ordnung, da Kinder auf Poetry Slams eh nicht zu sehen wären und diese Wörter auch mittlerweile keinen mehr erschrecken. Meine Eltern und meine Großeltern würden das vielleicht nicht so toll finden, da sie eher christlicher denken.

Noch mal zum eigentlichen Thema: Ist Lady Slam nur eine von vielen Spielarten in der Slam Szene, oder gibt es einen echten Bedarf? Und wenn ja, warum?

Ich denke, dass eine gleichmäßige Verteilung das Ideal wäre, aber dafür sollten sich auch Frauen finden lassen, die das auch gerne machen. Dann wäre ein Lady Slam nicht wirklich nötig. Aber man könnte es ja trotzdem als Übergang einführen, um Frauen zu motivieren, erstmal überhaupt einzusteigen, aber auch, damit sie den Mut und die Zustimmung bekommen, es mal auf „normalen“ Slams zu versuchen.


Name: Xóchil, Slammerin

Wie oft gehst du im Durchschnitt monatlich slammen?
- Momentan höchstens einmal im Monat.

Würdest du an Lady Slams teilnehmen, wenn es mehr davon gäbe, und wenn ja, warum?
- Ich glaube nicht. Find’ ich jetzt nicht so spannend. Auf keinen Fall spannender als gemischte Slams.

Warum glaubst du brauchen wir einen Lady Slam? Brauchen wir überhaupt einen Lady Slam?
- Nein, bracht man/frau nicht. Das Publikum freut sich eigentlich immer, wenn beim normalen Slam eine Frau auf die Bühne geht. Ich denke, als Frau ist man doch wunderbar aufgehoben in einem gemischten Slam.

Wenn du die Wahl hättest, an einem normalen Slam oder an einen Lady Slam teilzunehmen, was würdest du vorziehen?
- Den normalen Slam

Was glaubst du muss sich am Poetry Slam grundsätzlich ändern? Sollte eine Frauenquote eingeführt werden, um solche Veranstaltungen wie Lady Slams überflüssig zu machen?
- Ich bin hier gegen eine Frauenquote. Es kann doch jede Frau teilnehmen. Zugangsbeschränkungen gibt es nicht. Und es slammen heute schon viel mehr Frauen als vor zehn Jahren. Die Richtung stimmt.

Wie erklärst du dir die auffällig geringere Teilnahme von Frauen an Slams?
- Vielleicht reizt Frauen der Wettbewerb weniger als Männer. Vielleicht haben sie weniger gelernt, sich in Wettbewerbe hinein zu begeben. Angeblich werden Frauen noch immer mehr zu Gemeinschaftssinn und Männer mehr zur Durchsetzung erzogen.

Wie glaubst du würden wir reagieren, wenn es urplötzlich einen Macker Slam gäbe, zu dem wir Frauen per se nicht zugelassen wären?
- Würde ich vielleicht mal hingehen, weil es spaßig klingt. Obwohl es am Ende evtl. nichts Besonderes wäre, es gibt ja gelegentlich noch Slams ohne Frauenteilname.

Wie siehst du die manchmal unter pädagogischem Aspekt vielleicht bedenkliche Wortwahl in manchen Slam-Texten? Ich meine hier eine gelegentlich überdurchschnittlich häufige Verwendung von F-Wörtern in manchen Beiträgen. Denkst du, es gibt noch einen Unterschied zwischen Worten wie A****ch, f***en, F**ze oder gar Sch***thausf***ze? Was glaubst du, wie Eltern das ggfs. sehen könnten?
- Kunst ist frei. Vielleicht stört mich einmal etwas, oder Eltern stört etwas. Aber Kunst ist frei. Es gibt auch weibliche Slammerinnen, die sich explizit und auch einmal abwertend zu Männern äußern. Slamtexte sind erstmal keine Bewerbungsschreiben für einen Job im Ministerium.
Respektlose Texte straft die Jury/das zumeist bildungsbürgerliche Publikum teils auch ab. Ich denke, es gibt eine natürliche Regulierung.


Noch mal zum eigentlichen Thema: Ist Lady Slam nur eine von vielen Spielarten in der Slam Szene, oder gibt es einen echten Bedarf? Und wenn ja, warum?
- Wegen mir braucht niemand Frauenslams zu veranstalten. Aber wenn es anderen Frauen oder gar dem Publikum ein Bedürfnis sein sollte, dann spricht m.E. auch nichts gegen solch ein Format.
Veranstalter sollten gute/interessante Frauen einfach ermutigen, wiederzukommen. Das tun sie doch auch längst. Und Frauen sollten einfach machen – wie Männer auch machen.



Name: Anna B., Gelegenheitslammerin, Beobachterin der Szene

Wie oft gehst du im Durchschnitt monatlich slammen?
------ meist maximal 1 x pro Monat, auch mal 2 Monate nicht

Würdest du an Lady Slams teilnehmen, wenn es mehr davon gäbe, und wenn ja, warum?
-------------- An interessanten Slams nehm ich gern teil, ob jetzt Lady Slam oder mixed.
Aber bei einem Lady-slam trifft und sieht man mal mehr von den Slammerinnen an einem Abend, als vereinzelter sonst.


Warum glaubst du brauchen wir einen Lady Slam? Brauchen wir überhaupt einen Lady Slam?
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Brauchen? hm. Brauchen wir denn weibliche Gesangsabende, Lesungen von Frauen für Frauen? – Erstmal ist das wie mit zwei, drei Mädels ausgehn, Mädelsabend machen. Das ist anders als gemischt, ja. Und um mal konzentriert zu zeigen, was die Ladys können, auch was für Themen da an einem Abend zusammenkommen, auch ob weibliches Performen anders ist … sowas sieht man sicher besser mal „gehäuft“. Aber als dauerndes Förderprogramm? Ob Ladyslam das Programm „Frauen zum Slam“ echt verstärken würde? Vielleicht als Vorführung: man/sie kann sichs trauen, mit ihren Texten auf die Bühne zu kommen! Vielleicht senkts die Hemmschwelle. Öffentliche Mutmachung.


Wenn du die Wahl hättest, an einem normalen Slam oder an einen Lady Slam teilzunehmen, was würdest du vorziehen?
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Das kommt darauf an. Wenn der „normale“ interessanter ist, von Besetzung, Location her, würde ich nicht zum Lady-Slam gehen, wegen Lady. Es sei denn, es geht noch um was, irgendwas Solidarisches, Unterstützung für die Organisierenden … Aber sonst würde ich den nicht vorziehen, wegen: Schonzone o.ä. Da fühl ich mich wohler, sicherer. Wir sind unter uns. Die bösen Jungs nicht dabei.


Was glaubst du muss sich am Poetry Slam grundsätzlich ändern? Sollte eine Frauenquote eingeführt werden, um solche Veranstaltungen wie Lady Slams überflüssig zu machen?
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Geht ja gar nicht und wär Unsinn. Leute, der Slam muß heute leider ausfallen, weil nicht paritätisch besetzt … Oder weiß noch wer irgendeine, die könnte? Händeringende Frauensuche?
Und Männerquote? mehr Ü30er. Ü40er! pro Slam, wegen Männlichkeit ;-) Reife, Können und Coolness.


Wie erklärst du dir die auffällig geringere Teilnahme von Frauen an Slams?
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Hab ich ja neulich in dem Interview schon ausführlich überlegt. Bei Frauen, Mädchen weniger Präsentierbedürfnis als Person und Präsentierlust von eigenen Texten?, weniger Wettbewerbswille, Kampffreude? – Der Nomadentrieb deutschlandweit, nur bei einzelnen Frauen scheints, eher wenigen. - Trauen sie sich weniger, auf die Kacke zu hauen, auch wenns keine ist? Machen Männer auch mal mehr Lärm um nichts, lautes Brusttrommeln? in voller Eigenüberzeugung?


Wie glaubst du würden wir reagieren, wenn es urplötzlich einen Macker Slam gäbe, zu dem wir Frauen per se nicht zugelassen wären?
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Wir weiß ich nicht- ich zumindest unaufgeregt.Wenn sie das auch mal brauchen, unter sich sein, paar gute weibliche Konkurrenten schon mal weniger dadurch? .-)


Wie siehst du die manchmal unter pädagogischem Aspekt vielleicht bedenkliche Wortwahl in manchen Slam-Texten? Ich meine hier eine gelegentlich überdurchschnittlich häufige Verwendung von F-Wörtern in manchen Beiträgen. Denkst du, es gibt noch einen Unterschied zwischen Worten wie A****ch, f***en, F**ze oder gar Sch***thausf***ze? Was glaubst du, wie Eltern das ggfs. sehen könnten?
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Straßensprache ist immer schmutziger als Wohnzimmer und wenn der Slam in sich auch noch Protestreste haben will, sollte keine Scheu sein, auch mal vor üblen Wörtern, wenn nötig in einem Text! das ist immer der Meßpunkt. Wos nur wild tun will, schocken, spracherigiertes Show-Bocken, das find ich albern und pubertär auch. Was anderes sind rassistische oder darunter auch frauenfeindliche Vokabeln, wenn sie nicht textmäßig zitiert werden! als primitve Auswürfe. Da gibts keine Sponti-Toleranz, da hat einer eben voll zugelangt. Und Eltern? die werden eh schon abgehärtet, ab Kindergarten.


Noch mal zum eigentlichen Thema: Ist Lady Slam nur eine von vielen Spielarten in der Slam Szene, oder gibt es einen echten Bedarf? Und wenn ja, warum?
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Also es gibt ja Untersuchungen, daß Mädchen besser Physik und Mathe lernen, auch sich mehr melden, teilnehmen, wenn sie in reinen Mädchenklassen, -gruppen lernen. Aber wollten wir das übertragen? Würden sich wirklich mehr Mädchen Frauen dann auf die Bühne trauen - unter sich erstmal üben und dann verstärkt auch auf den gemischten Slams aufspielen. Schonraum Frauenslam, und aus dem dann verstärkt hervorgehen: Amazonen, kämpferische Frontfrauen. Dann müßte man schon bei den Schulen ansetzen, neben Literaturkursen Mädchenslamgruppen ins Leben rufen, wie kleine Trainingslager.
Kampfsportgruppe Slam.
Also gut, Franzi, wir machen eine Aufruf: jede Slammerin versucht, in ihrem Kreis,
„Einzugsgebiet“ eine Mädchengruppe Slam zu gründen - Lehrerinnen ansprechen! (kann auch mal ein Lehrer sein) – nach Slams aufrufen zum Melden, wer mitmachen möchte – eine MädchenMannschaft, die sie betreut. Ziehmutter, Trainerin. Und dann wollen wir doch mal sehen! Ich bin dafür!!



© Franzi, 01.02.2011

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Franzi Röchter

Franzi RöchterAutorin, Poetin, Slammerin, Reporterin, Hörbuch-Sprecherin, Klein-Verlegerin, Kulturjournalistin ... alles Mögliche, nur nicht genau das!