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Forum - Allgemein - Liebes Forum,

Tobias Kunze

Liebes Forum,

Hallo Ihr Lieben.

Ich schalte mich mal ein, weil ich gerade im tiefsten Sachsen sitze, einige Wartezeit bis zur Bühne habe und mir langweilig ist. Ich überfliege das Magazin sonst eher nur; es ist in der Tat anstrengend, die Beiträge einiger, sich seltsamerweise durch zahlreiche besonders lange Kommentare sehr in den Vordergrund rückender Forum-Mitglieder durchzulesen.
Gerade in den Kommentaren offenbaren sich Klüfte; die einen belobhudeln einander wie Slammer im Backstage; andere geben zaghafte Hinweise, dass das Forum keine Teestube (bei mir früher an der Schule muckelten in der Teestube übrigens immer die zwar sehr beherzten, aber etwas weltfremden Außenseiter rum) von Minderbemittelten ist. Sag ich jetzt mal so. Das kennt man ja auch aus anderen Foren; immer beharken sich ein paar Herzchen, die die geschriebenen Zeilen etwas zu ernst nehmen, weil sie Ironie und andere augenzwinkernde Anspielungen nicht verstehen oder weil sie gar mit ihren rührigen Anliegen und ihrer Verletzbarkeit zu weit unter die Kontextspur abgetaucht sind. Deshalb mal ein paar offene Briefe, die für alle hier gelten, sich aber drei Beispiele herauspicken, die sich sehr exemplarisch hervortun:

Level 1:
Liebe Franzi, du kannst im Grunde gut schreiben, aber deine Slam-Berichte sind oft extrem wirr, wenig journalistisch und gespickt mit schrillen Befindlichkeitsdetails. Ich finde es ganz nett, dass du auf die kleineren Slams fährst und dir dort weniger bekannte Poeten rauspickst, die auch eine Geschichte zu erzählen haben. Allerdings empfehle ich dir, die ein oder andere Detailbeobachtung oder beispielsweise die Schilderung deiner persönlichen Anfahrt mal beiseite zu lassen und dich ein wenig mehr an den Ablauf des Slams zu halten. Finde den Mittelweg zwischen Slam-Magazin und deinem persönlichen Blog.
Außerdem verschiebt deine häufige Berichterstattung aus einem relativ kleinen Einzugskreis von zwar rührigen, aber nicht immer ganz professionellen Poetry Slams (wie sie wohl inzwischen jede Schüler-Teestuben-AG hochzuziehen imstande ist) die Gewichtung der Außenwahrnehmung von Slamveranstaltungen im Magazin. Letzteres liegt natürlich auch daran, dass es kaum Live-Berichte aus anderen Ecken Deutschlands gibt, was ja nicht zwingend dein Problem sein muss, denn es ist auch sicher nötig, das Schlaglicht abseits vom etablierten Slam-Mainstream auf die vielen Do-It-Yourself-Pflänzlein in NRW zu werfen. Aber nicht immer ist dies auch derart bemerkenswert – der Eindruck deiner Berichterstattung ist, mit Verlaub, vielmehr fast willkürlich. Hier halte ich es mit Andreas Webers Posting: Etwas leiser auftreten. Ein bisschen mehr selektieren, vor allem hinsichtlich deines scheinbar großen Geltungsdrangs (und leidlich komischen Talents). Um die Beiträge drumrum immer noch ellenlanges Gekrähe veranstalten macht sie kaum besser; das gilt aber vor allem für alle, die sich beim anschließenden Diskutieren in Einzelheiten verlieren.

Level 2:
Liebe Nicole, Interpunktion nennt sich das, was man mit Satzzeichen anstellt, um den Lesefluss zu vereinfachen. Dazu gehört, nach Punkt oder Komma ein Leerzeichen zu setzen. Guck, so: Tadaah. Oder vielleicht… so? Und wenn du jetzt sagst, ich wäre pedantisch und dich regen ganz andere Sachen auf, wie z. B. mangelnder Weltfrieden, böse Menschen, etc., dann lass dir gesagt sein: Es gibt auch Menschen, die deine Postings ernst nehmen wollen, und das geht oft nur mit etwas mehr Mühe hinsichtlich Rechtschreibung. So lange jeder schreibt wie er will, setzt er sich einfach über andere Menschen hinweg. Nicht jeder ist dabei allerdings gleich ein Künstler.
Es wäre auch toll, wenn du generell auch mal öfter einen Punkt machen würdest, denn sonst werden deine Sätze zu Bandwürmern voller assoziativer Aneinanderreihungen, denen man durch mangelndes Absetzen schwerlich folgen kann, verstehst du, also ich meine, dass du oft so vor dich her schreibst und anschließend durchaus noch mal rübergehen und kürzen könntest, weißt du … über den Satzbau schauen und ihn zu einzelnen, einfacheren Sätzen zerlegen kannst. Beispiel? Siehe letzter Satz. Ach, und beachte doch bitte mal Groß- und Kleinschreibung. Die geht eigentlich gaaaanz einfach.

Level 3:
Liebe AnnaB, deine Sätze sind grobes Worthack. Kannst du nicht mal versuchen, etwas klarer und geordneter zu schreiben? Du produzierst teilweise, wahrscheinlich unbewusst, feine Lyrik. Aber ordne doch mal deinen Wortsalat zu zusammenhängenden Sätzen! Bitte! Ich liebe Lyrik, konkrete Poesie und Dada, aber bei dir fliegt alles unkontrolliert durcheinander in einer Art deutschem Stream of Consciousness. Interpunktion, Grammatik, Struktur, insbesondere deine Syntax-Schwächen, das macht dem Leser/der Leserin regelrecht Übersetzungsarbeit! Du brauchst dich nicht als "dummlich" zu betiteln, oder dein Licht anderweitig unter den Scheffel zu stellen, wenn du meinst, du hast nicht gerade den Draht zu derartigen Dingen. An sich arbeiten kann man immer. Geh ruhig nochmals mit dem feinen Rechen über deine Buchstabenbeete, bevor du auf Eintopfen klickst; so ist vielen geholfen.

Wer jetzt sagt, ich sei gemein und arrogant, sowas zu schreiben, dem lege ich nur das Ansinnen unseres Kollegen JeromeArn ans Herz: Poeten gegen Analphabetismus. Wir können uns irgendwo in die Innenstadt stellen und Gedichte vorlesen. Aber wir können auch mal beherzt direkt unter die Arme greifen. Each One Teach One und so. Irgendwo haben wir doch alle einen pädagogischen Auftrag. Ich mach gern den Erklär- statt Lila-Laune-Bär.

Ach, und noch was: Niemals ein Internetforum allzu ernst nehmen! Nach zwanzig Jahren Internet sollte sich das auch die letzte ISDN-Anschlussbesitzerin hinter die Ohren schreiben. Danke.