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Forum - Poetry Slam Magazin - All the small things - "Der Tontechniker"

Lars Ruppel

All the small things - "Der Tontechniker"

In dieser Reihe möchte ich einen Blick auf die Menschen und Gegenstände am Rand dieser Gesellschaft werfen. Heute: Der Tontechniker.
All the small things – Der Tontechniker

Wer der Meinung ist, dass die akustische Verstärkung von Tonsignalen mit dem Einstöpseln eines Mikrofons getan sei, irrt. Auf dem Weg vom „Aus“ zum „An“ sind viele Klippen zu umschiffen. Ein besonderer Schlag Mensch behält jedoch auch im gordischsten Kabelgewirr eine ruhige Hand: Der Tontechniker (und die Tontechnikerin, im folgenden „Tontechniker“ genannt)

Wer auf der Bühne eine gute Figur machen möchte, muss auch in der Einhaltung des Protokolls hinter der Bühne souverän sein. Pünktlichkeit ist eine Frage des Respekts, nicht der Organisation. Wenn der Soundcheck um 18:00 Uhr verabredet wurde, sollte man sich als Künstler spätestens um 17:00 Uhr eingefunden haben, um sich den Begrüßungsanschiss des verantwortlichen Tontechnikers abzuholen.

Der Tontechniker an sich hat meist wenig geschlafen, denn er ist immer die Erste und die Letzte Person im Veranstaltungsraum, wenn er ihn denn überhaupt verlässt. Die Morgentoilette des gemeinen Tontechnikers besteht in der Regel aus einer Kippe und einen Kaffee. Der Aufdruck seines T-Shirts verrät ihn als sogenannten „Staff“ eines Festivals aus der Altvorderenzeit“. Da hat er auch die Narbe an seinem Kopf her. Ist ein Stahlträger während eines Deep Purple Konzerts draufgefallen. Er hat nicht geweint!

Der Soundcheck dauert durchschnittlich 2 Minuten, verläuft ohne Probleme und man hat anschließend genug Zeit sich mit dem Backstagecatering zu befassen (siehe „Das Backstagebrötchen“)

Die Show verläuft ohne nennenswerte Zwischenfälle, denn Tontechniker sind Profis, wir sind das nicht und das lässt er uns spüren. Was der Tontechniker während der Show macht, ist ein wohlbehütetes Geheimnis. Noch nie hat jemand einen Tontechniker während der Show beobachten können, denn alle Augen sind entweder auf den Künstler gerichtet oder verglühen in den viel zu hellen Scheinwerferlichtern. Man munkelt, dass der Tontechniker ein sogenannter „Showschläfer“ ist, der seinen Schlaf nur während einer künstlerischen Darbietung finden kann. Dies würde auch die Unflexibilität in Bezug auf eventuelle Korrekturen in Ton und Licht erklären.

Abschließend: Wer mit Tontechnikern leben will muss drei Regeln beachten:

1.Niemand, absolut niemand fasst sein Zeug an, denn alles hat seine Ordnung und seinen Platz.
2.Wünsche an die Technik sind 3 Monate vor der Veranstaltung zu äussern. Wem am Veranstaltungstag einfällt, dass man doch ein zweites Mikro braucht, jagt der Tontechniker mit der Mikrokabelpeitsche durch die Katakomben.
3.Niemand, absolut niemand fasst sein Zeug an, denn alles hat seine Ordnung und seinen Platz.

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