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In dieser Reihe möchte ich einen Blick auf die Menschen und Gegenstände am Rand dieser Gesellschaft werfen. Heute: Der Tontechniker.
All the small things – Der Tontechniker
Wer der Meinung ist, dass die akustische Verstärkung von Tonsignalen mit dem Einstöpseln eines Mikrofons getan sei, irrt. Auf dem Weg vom „Aus“ zum „An“ sind viele Klippen zu umschiffen. Ein besonderer Schlag Mensch behält jedoch auch im gordischsten Kabelgewirr eine ruhige Hand: Der Tontechniker (und die Tontechnikerin, im folgenden „Tontechniker“ genannt)
Wer auf der Bühne eine gute Figur machen möchte, muss auch in der Einhaltung des Protokolls hinter der Bühne souverän sein. Pünktlichkeit ist eine Frage des Respekts, nicht der Organisation. Wenn der Soundcheck um 18:00 Uhr verabredet wurde, sollte man sich als Künstler spätestens um 17:00 Uhr eingefunden haben, um sich den Begrüßungsanschiss des verantwortlichen Tontechnikers abzuholen.
Der Tontechniker an sich hat meist wenig geschlafen, denn er ist immer die Erste und die Letzte Person im Veranstaltungsraum, wenn er ihn denn überhaupt verlässt. Die Morgentoilette des gemeinen Tontechnikers besteht in der Regel aus einer Kippe und einen Kaffee. Der Aufdruck seines T-Shirts verrät ihn als sogenannten „Staff“ eines Festivals aus der Altvorderenzeit“. Da hat er auch die Narbe an seinem Kopf her. Ist ein Stahlträger während eines Deep Purple Konzerts draufgefallen. Er hat nicht geweint!
Der Soundcheck dauert durchschnittlich 2 Minuten, verläuft ohne Probleme und man hat anschließend genug Zeit sich mit dem Backstagecatering zu befassen (siehe „Das Backstagebrötchen“)
Die Show verläuft ohne nennenswerte Zwischenfälle, denn Tontechniker sind Profis, wir sind das nicht und das lässt er uns spüren. Was der Tontechniker während der Show macht, ist ein wohlbehütetes Geheimnis. Noch nie hat jemand einen Tontechniker während der Show beobachten können, denn alle Augen sind entweder auf den Künstler gerichtet oder verglühen in den viel zu hellen Scheinwerferlichtern. Man munkelt, dass der Tontechniker ein sogenannter „Showschläfer“ ist, der seinen Schlaf nur während einer künstlerischen Darbietung finden kann. Dies würde auch die Unflexibilität in Bezug auf eventuelle Korrekturen in Ton und Licht erklären.
Abschließend: Wer mit Tontechnikern leben will muss drei Regeln beachten:
1.Niemand, absolut niemand fasst sein Zeug an, denn alles hat seine Ordnung und seinen Platz.
2.Wünsche an die Technik sind 3 Monate vor der Veranstaltung zu äussern. Wem am Veranstaltungstag einfällt, dass man doch ein zweites Mikro braucht, jagt der Tontechniker mit der Mikrokabelpeitsche durch die Katakomben.
3.Niemand, absolut niemand fasst sein Zeug an, denn alles hat seine Ordnung und seinen Platz.
"Denkst du, du bekommst meine Stimme lauter, als das Brummen/Surren auf den Boxen?" ... das brummen kann an verschiedenen sachen liegen...
1. total beschissene PA die auf dem maximalen pegel fährt
2. einem stromkabel der (da es sich um slamer handelt) das XLR kabel kreuzt
3. ... einem keyborder oder bassisten der bei seiner DiBox den groundlift nicht eingeschaltet hat
4. die stagebox hat einen wakelkontakt
5. Kabelbruch
ja ich bin tontechniker... und ich kann bestätigen, es gibt nix nervigeres als leute die die arbeit die dahinter steckt unterschätzen!
und i.d.r. sollte ein mic check länger dauern als 2 min... wenns nach mir ginge müsste jeder, auch slamer, 5 lieder in verschiedensten tonlagen singen !
wenn jemand meint er müsse auf der bühne brüllen ... dann wird das auch beim sound check gemacht und er MUSS mir einen kompressor mit bringen!! WIE IHR könnt euch keinen leisten? dann lasst das brüllen sein...
ok jetzt mal spaß bei seite... Kommunikation und Respekt sind die stichwörter.
wenn alles rechtzeitig abgeklärt ist und ihr UNS keinen unnötigen arbeitsaufwand machen lasst, dann ist alles ok!
sehr guter text!
wenn ihr nicht angeschnauzt werden wollt...haltet euch daran!!!
Das ist ein super Post, Lars. Ja, IMMER nett sein zum Tontechniker (vor allem, wenn man Einspieler braucht und/oder eine Gitarre dabei hat).
Sätze, die es zu vermeiden gilt:
"So ein SM58 ist ja geil für (Punk-)Bands, aber für Sprache und Vorlesen sollte man eigentlich lieber ein (...) nehmen. Wegen dem Nahfeldbreich."
"Kannst du die Höhen und die Bässe rausnehmen? Geht halt um Sprache, nicht um Gesang."
"Denkst du, du bekommst meine Stimme lauter, als das Brummen/Surren auf den Boxen?"
"Meine CD läuft normalerweise auf jedem CD-Player, kannst du schnell 'nen anderen besorgen?"
"Nach dem dritten 'Black' kommt ohne Überleitung das vierte Stück von der CD, obwohl auf dem Zettel Stück sieben steht, weil das halt vom letzten Auftritt ist und mein Drucker kaputt ist. Haste mal 'nen Edding, dann ändere ich das nochmal. Ach so, und kannst du dran denen, bei Minuten siebeneindreiviertel kurz den Mikrosound runterzufahren, weil: da schmeiße ich mich auf die Bühen und kreische. Danke, du!"
Ach. Der Tontechniker hält den üblichen Slammer einfach für einen Honk der nichts kann, oder aber für einen Honk mit Gitarre, der nichts kann.
Die meisten Tonleute haben eben nur Respekt vor symphatischen Bands mit intelligenter Musik. Dewegen entscheidet man sich ja für den Job. Kleinkünstler nerven. Bringen nichtmal einen Jazzschlagzeuger mit, den man genüsslich 2 Stunden checken kann, damit die Hihats so richtig richtig sahnig klingen.
Der gewöhnliche Slammer rockt auch lieber das Goethe-Institut in Ougadougu, samt Diplomaten-Kennzeichen und "Weltreisefeeling", als sich vom "Establishment" sagen zu lassen, dass das mit dem "slääm" ja echte "a supr Sach für jonge Leut" sei.
Mehr Verständnis für den FOH bitte. Der Slammer ist einfach ein triviales "Signal". Und er hat keinen Plan von Rock n Roll!
Lars Ruppel wird gesponsort von Lektora Verlag
Lektora Verlag:
Wir lieben Literatur in all ihren Facetten ― und ganz besonders lieben wir Texte, die sich zum Vorlesen eignen: frisch, dynamisch und ausdrucksstark.
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Forum - Poetry Slam Magazin - All the small things - "Der Tontechniker"
All the small things - "Der Tontechniker"
Wer der Meinung ist, dass die akustische Verstärkung von Tonsignalen mit dem Einstöpseln eines Mikrofons getan sei, irrt. Auf dem Weg vom „Aus“ zum „An“ sind viele Klippen zu umschiffen. Ein besonderer Schlag Mensch behält jedoch auch im gordischsten Kabelgewirr eine ruhige Hand: Der Tontechniker (und die Tontechnikerin, im folgenden „Tontechniker“ genannt)
Wer auf der Bühne eine gute Figur machen möchte, muss auch in der Einhaltung des Protokolls hinter der Bühne souverän sein. Pünktlichkeit ist eine Frage des Respekts, nicht der Organisation. Wenn der Soundcheck um 18:00 Uhr verabredet wurde, sollte man sich als Künstler spätestens um 17:00 Uhr eingefunden haben, um sich den Begrüßungsanschiss des verantwortlichen Tontechnikers abzuholen.
Der Tontechniker an sich hat meist wenig geschlafen, denn er ist immer die Erste und die Letzte Person im Veranstaltungsraum, wenn er ihn denn überhaupt verlässt. Die Morgentoilette des gemeinen Tontechnikers besteht in der Regel aus einer Kippe und einen Kaffee. Der Aufdruck seines T-Shirts verrät ihn als sogenannten „Staff“ eines Festivals aus der Altvorderenzeit“. Da hat er auch die Narbe an seinem Kopf her. Ist ein Stahlträger während eines Deep Purple Konzerts draufgefallen. Er hat nicht geweint!
Der Soundcheck dauert durchschnittlich 2 Minuten, verläuft ohne Probleme und man hat anschließend genug Zeit sich mit dem Backstagecatering zu befassen (siehe „Das Backstagebrötchen“)
Die Show verläuft ohne nennenswerte Zwischenfälle, denn Tontechniker sind Profis, wir sind das nicht und das lässt er uns spüren. Was der Tontechniker während der Show macht, ist ein wohlbehütetes Geheimnis. Noch nie hat jemand einen Tontechniker während der Show beobachten können, denn alle Augen sind entweder auf den Künstler gerichtet oder verglühen in den viel zu hellen Scheinwerferlichtern. Man munkelt, dass der Tontechniker ein sogenannter „Showschläfer“ ist, der seinen Schlaf nur während einer künstlerischen Darbietung finden kann. Dies würde auch die Unflexibilität in Bezug auf eventuelle Korrekturen in Ton und Licht erklären.
Abschließend: Wer mit Tontechnikern leben will muss drei Regeln beachten:
1.Niemand, absolut niemand fasst sein Zeug an, denn alles hat seine Ordnung und seinen Platz.
2.Wünsche an die Technik sind 3 Monate vor der Veranstaltung zu äussern. Wem am Veranstaltungstag einfällt, dass man doch ein zweites Mikro braucht, jagt der Tontechniker mit der Mikrokabelpeitsche durch die Katakomben.
3.Niemand, absolut niemand fasst sein Zeug an, denn alles hat seine Ordnung und seinen Platz.
3 Kommentare
1. total beschissene PA die auf dem maximalen pegel fährt
2. einem stromkabel der (da es sich um slamer handelt) das XLR kabel kreuzt
3. ... einem keyborder oder bassisten der bei seiner DiBox den groundlift nicht eingeschaltet hat
4. die stagebox hat einen wakelkontakt
5. Kabelbruch
ja ich bin tontechniker... und ich kann bestätigen, es gibt nix nervigeres als leute die die arbeit die dahinter steckt unterschätzen!
und i.d.r. sollte ein mic check länger dauern als 2 min... wenns nach mir ginge müsste jeder, auch slamer, 5 lieder in verschiedensten tonlagen singen !
wenn jemand meint er müsse auf der bühne brüllen ... dann wird das auch beim sound check gemacht und er MUSS mir einen kompressor mit bringen!! WIE IHR könnt euch keinen leisten? dann lasst das brüllen sein...
ok jetzt mal spaß bei seite... Kommunikation und Respekt sind die stichwörter.
wenn alles rechtzeitig abgeklärt ist und ihr UNS keinen unnötigen arbeitsaufwand machen lasst, dann ist alles ok!
sehr guter text!
wenn ihr nicht angeschnauzt werden wollt...haltet euch daran!!!
gruß stephan
Sätze, die es zu vermeiden gilt:
"So ein SM58 ist ja geil für (Punk-)Bands, aber für Sprache und Vorlesen sollte man eigentlich lieber ein (...) nehmen. Wegen dem Nahfeldbreich."
"Kannst du die Höhen und die Bässe rausnehmen? Geht halt um Sprache, nicht um Gesang."
"Denkst du, du bekommst meine Stimme lauter, als das Brummen/Surren auf den Boxen?"
"Meine CD läuft normalerweise auf jedem CD-Player, kannst du schnell 'nen anderen besorgen?"
"Nach dem dritten 'Black' kommt ohne Überleitung das vierte Stück von der CD, obwohl auf dem Zettel Stück sieben steht, weil das halt vom letzten Auftritt ist und mein Drucker kaputt ist. Haste mal 'nen Edding, dann ändere ich das nochmal. Ach so, und kannst du dran denen, bei Minuten siebeneindreiviertel kurz den Mikrosound runterzufahren, weil: da schmeiße ich mich auf die Bühen und kreische. Danke, du!"
Die meisten Tonleute haben eben nur Respekt vor symphatischen Bands mit intelligenter Musik. Dewegen entscheidet man sich ja für den Job. Kleinkünstler nerven. Bringen nichtmal einen Jazzschlagzeuger mit, den man genüsslich 2 Stunden checken kann, damit die Hihats so richtig richtig sahnig klingen.
Der gewöhnliche Slammer rockt auch lieber das Goethe-Institut in Ougadougu, samt Diplomaten-Kennzeichen und "Weltreisefeeling", als sich vom "Establishment" sagen zu lassen, dass das mit dem "slääm" ja echte "a supr Sach für jonge Leut" sei.
Mehr Verständnis für den FOH bitte. Der Slammer ist einfach ein triviales "Signal". Und er hat keinen Plan von Rock n Roll!
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