20.1.2017
Liebe Slamily,

Es waren neun spannende Jahre für mich. Aber mein Leben und ich, wir haben uns verändert, und ich habe mich bereits die letzten Jahre nicht in dem Maße um MySlam kümmern können, wie ich es gerne getan hätte. Daher endet dieses Kapitel für mich heute.
Ich wünsche euch, dass ihr weiterhin die lauten Töne und noch viel mehr die leisen beherrscht. Dass ihr die Zwerchfelle der Menschen berührt und noch viel mehr ihre Herzen.
Ich bedanke mich bei euch für die Treue und auch für die Kritik, die Provokation und die Leidenschaft. Bei einigen wenigen bedanke ich mich für ihr ganz besonderes Engagement für MySlam.
Bleibt wie ihr seid und schreibt nicht zu viel Käse auf Facebook!


Wolfgang

"Und blüht am End' der Freiheit Glück. Dann ward die Tat des Wortes Lohn"
(Wehwalt Koslovsky)
MySlam.net ist ein Web-Portal, das sich mit Poetry Slam, Spoken Word und Bühnenliteratur befasst. Hier findest du Poetry Slam Locations, Termine, Poeten und Multimedia.

Forum - Texte - Hallo Auto - (ka...

Manfred Dechert

Hallo Auto - (kann fortgesetzt werden)

Ich kann auch in dem abgelegensten Dorf glücklich werden - ich werde mich nämlich selbstständig machen, gehe
morgen auf das Gewerbeamt und bestelle mir einen Schein, so einen Gewerbeschein. Ich bin Schriftsteller, in
den Autos, die da kommen, sitzen natürlich aufrechte Bürger, die sicher Erbauung suchen, andererseits aber
auch Deppen vom Dorf, die mir den Vogel zeigen, so gut kenne ich die, aber, vielleicht sitzt auch ein
Verleger oder Mann vom Fernsehen drin, der mich groß rausbringt.
Ich mache mir einen Handkarren, darauf lade ich einen Stuhl, tippe mehrere Seiten mit Waldgedichten, ganz
einfach gereimt, so, daß sich der Waldarbeiter oder Spaziergänger erfreut: Im Wald ist mir manchmal kalt
und manchmal heiß, so fühle ich in der Jugend und als Greis. Ich stelle mich an das alte Wasserwerk, das
an der Landstraße liegt, da ist ein großer freier Platz, da stelle ich meinen Handkarren und meinen Stuhl
hin, dann gehe ich an die Arbeit.

Ich male mir ein Schild HALLO AUTO, dann hält das Auto an, ich sage, Fahrer, für einen Euro ein Gedicht,
für zwei Euro springe ich in die Luft, für drei Euro einen Tanz. Ich habe Bewegung in frischer Luft und
verdiene Geld, ich gebe Geist und verdiene Taschengeld, ich habe mein eigenes kleines Gewerbe als
kleiner Unternehmer geschaffen. Und irgendwann kommt ein Mann vom Verlag oder eine Frau vom Fernsehen
und die bringen mich dann groß raus.

Was meinen Sie, eher kommen die Jugendlichen vom Dorf mit Rädern und Motorrädern, um mich aufzuziehen,
ich werde zum Dorfdepp gestempelt, und irgendwann kommt die Polizei und die Ambulanz und fährt mich
in die Nervenklinik. Dann zeige ich Ihnen meine Scheine, erstmal den Gewerbeschein, zweitens den von
meinem Rechtsanwalt, der sagt, der Herr Ölmann ist nur kreativ verrückt und nicht geisteskrank, drittens
einen Freischein, denn ich habe ein Patent angemeldet, und viertens...

Wenn ich so auf dem Bett liege, und mir meinen Plan mache, selbstständiger Unternehmer mit Waldgedichten,
freier Geist für freies Geld, spüre ich ein Glück, aber auch müde werde ich, denn nächste Woche will ich
schon im Wald stehen, und bis dahin...Ich stelle mir schon vor, wie ich auf meinem Stuhl die Waldgedichte
lese, wenn die ersten drei, vier Autos zufriedengestellt sind, ist das Eis gebrochen... Ich werde bekannt
werden, was heißt da, Spinner, Dorfdepp, Gedichte im Wald, das ist doch was...so müde...so müde...

Da setzt schon das erste Auto den Blinker.





Was wird Ölmann im Traum erleben, oder, ist es Realität? Kann Ölmann bescheidenen Erfolg mit seinen
Waldgedichten bzw. Waldtänzen erreichen, kann er sich mit Gewerbeschein absichern, oder wartet der
Abtransport in die Nervenklinik? - Fortsetzungsgeschichten erwünscht!